Die Angiologin Manuela Birrer.

Manuela Birrer hält die Bahnen frei

Verengte Arterien, verstopfte Venen – Gefässerkrankungen sind Manuela Birrers Fachgebiet. Was das mit Erektionsstörungen und Sprüngli-Schokolade zu tun hat, verrät die Leiterin der Angiologie im Gespräch.

Seit 16 Jahren ist Dr. Manuela Birrer Leitende Ärztin Angiologie am KSB. «Dieses Fachgebiet hat mich am Anfang meiner Ausbildung überhaupt nicht interessiert, ich wollte Chirurgin werden», erzählt sie. «Irgendwelche Stinkfüsse untersuchen? Nein, danke!», sagt sie und lacht. Mit der Zeit hat sie doch noch Gefallen an der Angiologie gefunden, die sich mit Gefässerkrankungen im ganzen Körper befasst – vorwiegend aber der Beine und Füsse.

«Mir gefällt, dass die Angiologie dank der Gefässe mit vielen anderen Fachgebieten in Verbindung steht. Dadurch erfordert sie ein breites medizinisches Fachwissen», so Manuela Birrer. «Zudem beinhaltet sie neben dem Ultraschall, der mittlerweile bei fast jedem Patienten angewendet wird, viel Technik. Gerade auch bei den Interventionen», sagt Manuela Birrer. Intervention steht in diesem Zusammenhang für die minimalinvasive Behandlung von Gefässerkrankungen. Dabei werden beispielsweise Katheter durch die Haut in das Gefäss eingeführt, um Gefässengstellen zu erweitern oder -verschlüsse zu öffnen.

Was ist Angiologie?

Die Angiologie beschäftigt sich mit Blut- und Lymphgefässen – von der Vorsorge über die Erkennung bis zur Behandlung von Gefässerkrankungen. Dazu gehören auch Durchblutungsstörungen oder Erkrankungen der Venen wie Krampfadern. Die Angiologie am KSB arbeitet eng mit der Gefässchirurgie und der Radiologie zusammen. Mehr über Blutgefässe, deren Erkrankungen und Behandlung erfahren Sie in unserem Artikel «KSBedia: Angiologie».

Aufbauen und entwickeln

Nach dem Abschluss ihres Facharztes Angiologie arbeitete Manuela Birrer unter anderem als Oberärztin am Inselspital unter Professor Felix Mahler, einer Koryphäe auf diesem Gebiet. Danach übernahm die damals 38-Jährige die Angiologie am KSB. Gemeinsam mit dem damaligen Gefässchirurgen Thomas Huber baute sie ein interdisziplinäres Gefässzentrum auf. Dieses bestand aus ihnen beiden, einer Pflegefachperson und einer Sekretärin. Heute, 15 Jahre später, zählt es 22 Mitarbeitende. «Eine interdisziplinäre Abteilung aufgebaut zu haben, die so breit aufgestellt ist, darauf bin ich stolz», sagt sie. «Unser Leistungsangebot entspricht heute weitestgehend demjenigen eines Universitätsspitals.»

Delegieren und führen

Fragt man Manuela Birrer nach ihrem Spezialgebiet, meint sie: «Alle oder keines.» Denn sie versteht ihre Aufgabe als Leiterin der Angiologie darin, ihre Mitarbeitenden bei der Ausbildung und Suche nach ihrem Spezialgebiet zu unterstützen. Und sie auch zu motivieren, eine eigene Spezialsprechstunde aufzubauen. So stellt sie sicher, dass die Angiologie im KSB breit aufgestellt ist, aber auch über die nötige Tiefe verfügt. «Was mir an meiner Arbeit gefällt, sind das strategische Management und die vielseitigen Projekte», sagt sie denn auch. Trotzdem sieht sie noch regelmässig und gerne Patienten. «Die meisten werden von ihrem Hausarzt an mich überwiesen, um Durchblutungsstörungen, venöse oder lymphatische Erkrankungen abzuklären. Und, falls nötig, mit den entsprechenden Interventionen zu behandeln», so Manuela Birrer.

Zuhören und reden

Einer ihrer Patienten schickt ihr auch heute noch – zehn Jahre nach seiner Behandlung – jedes Jahr die Pralinés «Number One» von Sprüngli. «Ich erinnere mich gut an ihn», sagt die Angiologin. «Er hatte ein verstopftes Gefäss, das eine Intervention erforderte.» Dabei stellte sie fest, dass zu viel Material das Gefäss verstopfte, sodass ein chirurgischer Eingriff nötig war. In dieser Situation hielt sie sich an einen ihrer Leitsätze: «Wenn eine Behandlung nicht die erhofften Resultate zeigt, ist die Präsenz des Arztes enorm wichtig. Man muss dem Patienten erklären, was nun passiert, seine Fragen beantworten und ihn begleiten. Nur so kann man ihm die nötige Sicherheit vermitteln.»

«Ich bin stolz darauf, eine so breit aufgestellte Abteilung aufgebaut zu haben.»
Manuela Birrer

Diese Einstellung gibt sie auch an ihre Mitarbeitenden in Ausbildung weiter. «Es ist wichtig, zuzuhören, nicht nur aus medizinischer Sicht», sagt Manuela Birrer. «Manche Patienten sind oft alleine mit ihrer Krankheit und froh, wenn ihnen in der Sprechstunde jemand zuhört.» Sie nimmt sich gerne Zeit für ihre Patienten – trotz immer grösser werdendem Kostendruck im Gesundheitswesen.

Sensibilisieren und unterstützen

Ihre Stärken – zuhören, vernetzt und strategisch denken – spielt Manuela Birrer nun auch auf einem neuen Gebiet aus: Männergesundheit. «Die meisten Männer sind weniger sensibilisiert für die Signale ihres Körpers und hören weniger auf sich selbst als Frauen», sagt sie. Doch was hat das mit Angiologie zu tun? «Erektionsstörungen können verschiedene Ursachen haben. Zum Beispiel eine Arterienverengung im Gesässbereich», antwortet die Angiologin. «Männer mit einer Durchblutungsstörung in den Beinen können daher auch von erektiler Dysfunktion betroffen sein. Solche Patienten spreche ich dann in meinen Sprechstunden konkret an. Viele sind denn auch dankbar, weil sie von sich aus nichts gesagt hätten.» Zudem hätten diese Patienten ein höheres Risiko, einen Herzinfarkt oder Schlaganfall zu erleiden und sollten diesbezüglich abgeklärt werden.

«Man muss dem Patienten erklären, was nun passiert, seine Fragen beantworten und ihn begleiten. Nur so kann man ihm die nötige Sicherheit vermitteln.»
Manuela Birrer

Gemeinsam mit einem interdisziplinären Team aus Urologen, Endokrinologen und Angiologen wurden so bereits mehr als 30 Patienten in einem Pilotprojekt behandelt. «Wir werden nun ein Fazit ziehen, bevor wir in die nächste Projektphase übergehen», sagt Manuela Birrer.

Das Gefässzentrum am KSB

Das interdisziplinäre Team aus Gefässchirurgen, Angiologen und Radiologen arbeitet im Gefässzentrum zusammen. Dieses wurde von der Union Schweizerischer Gesellschaft für Gefässkrankheiten zertifiziert.






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