Nahaufnahme eines Fusses am Strand

Die Füsse in besten Händen

Dr. Urs Neurauter ist orthopädischer Chirurg und Fussspezialist am KSB. Er kennt alle Leiden an den unteren Extremitäten, setzt das Skalpell aber nur dann an, wenn keine andere Therapie hilft.

Meist schnüren wir sie in edles Leder, funktionalen Textilstoff oder eine wasserdichte Gummihülle. Kurze oder lange Socken aus Synthetikstoff oder Wolle sind fast immer drum. Aber nur selten lassen wir sie raus an die Luft. Dabei spüren wir erst dann, wenn wir ohne Schuhe über einen Sandstrand oder eine Wiese laufen, was sie alles leisten. Wie sie sich an die Unterlage anpassen, wie sie uns einen sicheren Stand bieten oder einen schnellen Spurt ermöglichen. «Unsere Füsse sind anatomisch fast so komplex wie unsere Hände und ein absolut faszinierender Teil unseres Körpers», sagt Dr. Urs Neurauter.

Der Mann muss es wissen. Schliesslich befasst er sich als Orthopäde und Fusschirurg am KSB täglich mit diesen untersten Teilen des Körpers. 26 Knochen (und zwei sogenannte Sesambeine, dies sind kleine, rundliche Knochen) zählt ein menschlicher Fuss und fast ebenso viele Gelenke. Dazu kommen Sehnen und Bänder. Der Fuss muss unser ganzes Körpergewicht tragen, Sprünge genauso abfedern wie stundenlanges Stehen aushalten. Klar, dass da auch immer mal wieder was kaputtgehen kann. «Probleme und Schmerzen an den Füssen sind in ärztlichen Sprechstunden sehr häufig», sagt Urs Neurauter.

Operation nur selten nötig

Wer Urs Neurauter konsultiert, hat sich beim Sport eine Verletzung zugezogen oder schon jahrelang Schmerzen wegen einer Fehlstellung des Fusses. Betroffen sein kann ein Mittelfussknochen, der gebrochen ist. Das Grosszehengelenk, das von Arthrose betroffen ist oder einen schmerzhaften Hallux bildet. Oder das Sprunggelenk, das sich nicht mehr richtig bewegen lässt. Bevor Urs Neurauter ein Skalpell ansetzt, analysiert er zusammen mit den Patienten die Situation immer ganz genau. Denn: «Effektiv operieren muss man nur in rund zehn Prozent der Fälle.» Meist können die Probleme mit konservativen Therapien gelöst werden. Dazu gehören Schuheinlagen, Schienen oder Infiltrationen, also das Setzen von Spritzen an den richtigen Stellen. Auch mit Physiotherapie kann viel erreicht werden. Allerdings wirken die Therapeuten dabei vor allem als Coach – «die Übungen müssen die Patienten selber machen», betont Urs Neurauter.

«In rund zehn Prozent der Fälle müssen wir operieren.»
Dr. Urs Neurauter

Nutzen für die Patienten entscheidend

«Leitend ist für uns immer die Frage, welchen Vorteil ein Patient von einer spezifischen Behandlungsart hat und welche optimale Methode wir ihm bieten können», sagt Urs Neurauter. Der Chirurg arbeitet dabei oft auch mit anderen Spezialisten zusammen und schaut den ganzen Bewegungsapparat des Patienten an. «Wenn ein Patient nicht nur ein Fussproblem hat, sondern demnächst auch eine neue Hüfte braucht und sich dadurch die Stellung des Beines verändert, müssen wir das berücksichtigen.» Bei Diabetikern, die oft auch Probleme an den Füssen haben, zieht Urs Neurauter Kolleginnen oder Kollegen aus der inneren Medizin oder Gefässspezialisten bei.

Ganz wichtig ist auch das Zusammenspiel mit den Fachleuten der technischen Orthopädie, wenn es darum geht, eine Einlage anzupassen oder einen Spezialschuh zu fertigen. Die Patienten am KSB profitieren dabei von der räumlichen Nähe aller Spezialisten: Die Orthopädie-Sprechstunden finden im Partnerhaus des KSB statt, wo auch die Anbieter von orthopädischen Hilfsmitteln und ein Sanitäts- und Schuhfachgeschäft untergebracht sind (siehe Box).

Patienten müssen Heilung erdauern

Wenn Urs Neurauter einen Fuss operiert, ist seine ganze Konzentration gefordert: «Manchmal müssen Eingriffe an verschiedenen Stellen des Fusses kombiniert werden. Das macht die Arbeit für uns Chirurgen abwechslungsreich, aber auch anspruchsvoll.» Die Schnitte, die Urs Neurauter setzt, sind zwar meist sehr klein, die anschliessende Heilung dauert dennoch oft sechs bis acht Wochen. «Fussknochen wachsen nicht schneller zusammen als andere Knochen», sagt Neurauter. «Viele Patienten haben Mühe mit der daraus resultierenden eingeschränkten Bewegungsfähigkeit.» Deshalb ist eine frühzeitige, offene Kommunikation sehr wichtig.

Umso glücklicher sind die Patienten dann, wenn der Eingriff erfolgreich war und sie wieder ohne Schmerzen gehen, laufen oder rennen können. Oder auch einfach nur barfuss über eine Wiese oder den Sandstrand schlendern und dabei spüren, welch aussergewöhnliche Fortbewegungswerkzeuge der Mensch doch hat.

Weitere Informationen bekommen Sie in der Klinik für Orthopädie und Traumatologie des KSB.

Alle Partner unter einem Dach

Im Januar 2018 hat das KSB Partnerhaus seinen Betrieb aufgenommen. Darin integriert ist auch die Balgrist PartnerOrtho, das erste Kompetenzzentrum für Technische Orthopädie im Kanton Aargau. Es basiert auf einer Kooperation der Universitätsklinik Balgrist und dem Kantonsspital Baden. Die Techniker begleiten dabei die ärztlichen Sprechstunden der Fusschirurgen. Ebenfalls involviert ist bei Bedarf die Wundberatung des KSB. «Wir pflegen hier eine enge Zusammenarbeit auf Augenhöhe zwischen den verschiedenen Fachleuten», sagt Dr. Urs Neurauter vom KSB. «Die Patienten profitieren von kurzen Wegen und unserem breiten Angebot in ihrer Nähe.» Dazu gehört auch eine eigene Werkstatt, in der orthopädische Hilfsmittel vor Ort hergestellt und angepasst werden können. Teil des KSB Partnerhauses ist auch die RehaClinic AG: Patienten haben so die Möglichkeit, ihre Rehabilitationstherapie nach einem chirurgischen Eingriff direkt im Haus zu starten – weite Transportwege entfallen.






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