Illustration eines Kiefers

Kieferchirurgie: Wieder richtig kauen, beissen und sprechen

Sie schrauben Knochen nach Schlägereien zusammen, richten angeborene Fehlstellungen und entfernen Tumore. Kieferchirurg Thomas Bottler gibt einen Einblick in seinen Arbeitsalltag, in die häufigsten Kiefererkrankungen und wie man diese erkennt und behandelt.

Schlägerei, Stress, Krankheit oder Fehlbildung: Die Gründe für Beschwerden mit Kauen und Beissen sind vielfältig. Kieferchirurg Thomas Bottler und seine Kollegen kümmern sich am KSB um allerlei Gebrechen rund ums Gebiss. «Ziel aller Behandlungen ist, dass die Betroffenen wieder uneingeschränkt beissen, kauen und sprechen können», sagt er.

Je nach Ursache dauert die Therapie nur einige Wochen, manchmal zieht sie sich aber auch über mehrere Jahre hin. Meistens ändert sich auch der Speisezettel – vorübergehend gibt es Nahrung nur noch flüssig, püriert oder weichgekocht. Oft arbeitet Bottler interdisziplinär mit weiteren Ärztinnen und Ärzten zusammen: Bei einer Kieferfehlstellung ist beispielsweise oft ein Kieferorthopäde involviert, bei einer Tumorerkrankung ein Onkologe und bei Tumoroperationen ein Logopäde.

Unfälle: Häufig leidet der Kiefer

Die meisten Patienten landen wegen eines Unfalls bei der Kieferchirurgie. Bottler: «Wir haben immer öfter Patienten, die mit einem E-Bike gestürzt sind. Der Helm schützt zwar den Kopf, nicht aber das Gesicht.» Auch Schlägereien oder Stürze betagter oder betrunkener Personen wegen unsicheren Gangs sind mögliche Gründe. Mit kleinen Metallplatten werden die Knochen fixiert, damit sie wieder zusammenwachsen können. Die Operation erfolgt durch den Mund. Von aussen sind deshalb keine Narben sichtbar. Wenn zusätzlich Knochen des Gesichts betroffen sind, beispielsweise das Jochbein unterhalb des Auges, richten die Kieferchirurgen auch diese.

Fehlstellung: Jahrelange Behandlung

Ebenfalls oft behandelt Bottler Fehlstellungen, am häufigsten eine Progenie. Dabei liegt der Unterkiefer zu weit vorne. Meist beginnt die Behandlung schon im jugendlichen Alter beim Kieferorthopäden. Bottler: «Betroffene tragen eine Spange, um die Zähne in Position zu bringen.» Danach korrigiert ein Kieferchirurg die Fehlstellung. Der Eingriff kann aus kosmetischen Gründen erfolgen, weil sich Betroffene mit der Fehlstellung nicht wohl fühlen. Bottler: «Fast immer leidet aber auch die Funktion des Kauapparats darunter.» Denn wenn Ober- und Unterkiefer nicht übereinanderliegen, ist abbeissen und kauen schwierig. Patienten schmerzt zudem oft das Kiefergelenk, weil es falsch belastet wird.

«Wir haben immer öfter Patienten, die mit einem E-Bike gestürzt sind.»
Thomas Bottler

Sobald das Wachstum abgeschlossen ist, kann die Fehlstellung korrigiert werden. Dabei achten Bottler und sein Team auf ein harmonisches Gesichtsprofil, denn die Korrektur kann ein Gesicht stark verändern. Bottler: «Mit Röntgenbildern, Modellen und im Gespräch mit dem Patienten planen wir den Eingriff sehr genau.» Während für einige die optische Veränderung wichtig ist, wollen andere nur die Funktion verbessern, sich äusserlich aber nicht verändern.

Tumor: Enge Zusammenarbeit

Tumore in Mund und Rachenbereich entdecken meistens der Zahnarzt bei der Jahreskontrolle oder Betroffene selbst. Anzeichen sind ein Brennen im Mundraum oder eine offene Stelle, die nicht heilt. Je nachdem, ob es sich um einen gut- oder bösartigen Tumor handelt, benötigt der Patient zusätzliche Therapien wie Chemo- oder Strahlentherapie. Am Tumorboard des KSB besprechen alle beteiligten Ärzte die nötigen Massnahmen. Kieferchirurg Bottlers Aufgabe besteht darin, den Tumor zu entfernen – an Zunge, Schleimhaut, Rachen oder im Kieferknochen.

Krankheit: Künstliches Gelenk im Kiefer

Wie jedes andere Gelenk im Körper kann sich auch das Kiefergelenk mit Erregern infizieren, sich entzünden oder abnutzen. Arthrose oder Überlastungen sind am Kiefergelenk häufige Krankheiten. Grund dafür sind oft Alterserscheinungen. Bottler: «Oft ist auch ein Zähneknirschen feststellbar. Dabei ist meist nicht das Aufeinanderreiben der Zähne das Problem, sondern das Aufeinanderpressen.» Viele Betroffene merken oft jahrelang nichts, weil es geräuschlos ist. Die Muskeln verkrampfen sich aber, und das Gelenk wird überbeansprucht. Kopfschmerzen, Schmerzen im Nacken oder bei den Ohren können Anzeichen dafür sein. Eine Behandlungsmöglichkeit ist eine konservative Therapie mit einer Schiene, die man nachts tragen muss. Auch eine Verhaltenstherapie kann helfen. Dabei achtet man darauf, wann man die Zähne zusammenbeisst, und versucht, sich diese Gewohnheit abzutrainieren.

Die Kieferchirurgie am KSB

Leiden Sie an einer Fehlstellung des Kiefers? Oder sind Sie ein Zähneknirscher? Die Experten der Kieferchirurgie am KSB beraten Sie gerne zu Ihrem Anliegen.

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