Illustration von Frauen mit verschiedenen Körpertypen.

«Die Idee der Stoffwechseltypen ist haltlos»

Schlemmen, ohne dick zu werden, oder ein grosser Bizeps im Handumdrehen – laut manchen Quellen soll das je nach Stoffwechseltyp möglich sein. Aber solche und ähnliche Kategorisierungen nützen wenig und sind wissenschaftlich nicht belegt, sagt Hormonspezialist Michael Egloff.

Der ektomorphe Stoffwechseltyp ist gross und dünn, der mesomorphe muskulös, der endomorphe rundlich. So beschrieb William Sheldon, US-amerikanischer Mediziner und Psychologe, 1942 seine Theorie der Stoffwechseltypen. Er wies ihnen auch unterschiedliche Charakterzüge zu: intellektuell, durchsetzungsstark oder gesellig. Die Idee dahinter: Kennt man seinen Körpertyp, isst man sich mit der dazu passenden Ernährung gesund und schlank. Auch andere Kategorisierungen, beispielsweise nach Drüsentyp, stecken Körper aufgrund ihrer Ausprägungen in Schubladen.

Die Idee von verschiedenen Körpertypen geht bis in die Antike zurück. So entwickelte der römische Arzt Galenus die Viersäftelehre. Sie besagt, dass alles – jede Pflanze, jedes Organ, jeder Körper – auf die vier Elemente Feuer, Wasser, Luft und Erde zurückgehe. Entsprechend sei alles Belebte oder Unbelebte entweder warm, kalt, trocken oder feucht. Ein Ungleichgewicht davon mache krank. Mit einem entsprechenden Gegenspieler könne das aber wieder ins Lot gebracht werden. «Alles hilflose Versuche, die Menschen zu kategorisieren», sagt Michael Egloff, Leitender Arzt Endokrinologie und Diabetologie am KSB. «Es gibt keine wissenschaftlichen Beweise, die solche Typisierungen stützen.»

Stoffwechseltypen sind falsche Fährten

Vor allem in der Fitnessszene ist die Einteilung nach Sheldon aber nach wie vor beliebt, viele Blogs und Websites verweisen darauf. Die Versprechen: Damit lasse sich für jeden Körpertyp das richtige Training zusammenstellen. Zudem würden mit der zum Typ passenden Ernährung die Muskeln wachsen und das Fett schmelzen. «Das ist eine falsche Fährte», sagt Michael Egloff. «Übergewicht oder Krankheitssymptome einer ‹Ursache gemäss Stoffwechseltyp› – egal welcher Theorie – zuzuordnen, ist unseriös.» Beispielsweise sei bei der Einteilung nach Drüsentyp das Ziel, ein Leiden einer bestimmten Fehlfunktion einer Drüse zuzuordnen. «Möglicherweise liegt die Ursache aber ganz woanders. Ich halte deshalb sehr wenig von diesen Typologien und rate davon ab, sich auf diese zu stützen.»

BMI als Massstab

Michael Egloff merkt allerdings an, dass die Körperform in manchen Fällen durchaus ein Hinweis für eine bestimmte Erkrankung sein kann. Beispielsweise kann rumpfbetontes Übergewicht mit schlanken Extremitäten auf einen hohen Cortisolspiegel hindeuten. «Aber das ist völlig unspezifisch. Ein solches Merkmal ist höchstens ein Puzzlestein im diagnostischen Verfahren, aber weder zur Selbstdiagnose noch für die Alternativmedizin ein geeignetes Werkzeug.»

Eine in der Medizin häufig gebrauchte Einteilung von Körpertypen sei der Body-Mass-Index. «Auch dieser ist nur eine Annäherung an die Realität und unterliegt immer einer Interpretation.» So muss man beispielsweise berücksichtigen, wie muskulös jemand ist. Denn Muskelmasse wiegt zwar viel und treibt den BMI damit in die Höhe, ist aber kein Zeichen von ungesundem Übergewicht. Auch die Art der Fettverteilung ist wichtig: Eine «Apfelform» ist für den Körper schädlicher als eine «Birnenform». «Das Ableiten notwendiger Massnahmen ist deshalb auch beim BMI Aufgabe eines Arztes.»

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