Geburtsmythen: Eine Frau mit ihrem Kind an der Brust.

Geburtsmythen: Wir räumen auf!

«Ist der Bauch spitz, wird es ein Bub.» – Wer kennt sie nicht, die kuriosen Mythen rund um die Schwangerschaft? Doch welche sind Humbug, und wo ist vielleicht doch etwas dran?

Von Generation zu Generation weitererzählt, halten sich Mythen rund um das Thema Schwangerschaft hartnäckig. Ob sie nun den Einfluss auf das Geschlecht des Babys, Verhütungsmethoden oder die Geburt und die Zeit danach betreffen – Marianne Bauer, Leitende Hebamme am KSB, hat die gängigsten «Weisheiten» für Sie unter die Lupe genommen.

Während des Stillens kann eine Frau nicht schwanger werden.

«Quatsch», sagt Marianne Bauer. «Beim ersten Eisprung, das heisst, zwei Wochen bevor die Periode nach der Geburt einsetzt, kann eine Frau wieder schwanger werden.» Wie lange das dauert, ist von Frau zu Frau unterschiedlich: Die Zeitspanne reicht von einigen Wochen nach der Geburt bis zu einem Jahr. Ein wenig später setzt die Regelblutung bei stillenden Müttern ein – dafür gibt es jedoch keine Garantie. Wer also nicht sofort wieder schwanger werden möchte, sollte in jedem Fall verhüten.

Nach dem Absetzen der hormonellen Verhütung wird man nicht so schnell schwanger.

Jein. Nach dem Absetzen beispielsweise der Pille oder des Rings braucht der Körper tatsächlich eine gewisse Zeit, um den körpereigenen Hormonhaushalt wieder zu regulieren. «Dafür gibt es jedoch keine Regelzeit: Manche Frauen können bereits im ersten Zyklus schwanger werden, bei anderen dauert es Monate oder Jahre», sagt Marianne Bauer.

Das Geschlecht des Babys lässt sich beeinflussen.

Seit Jahrtausenden versuchen Menschen, darauf Einfluss zu nehmen, ob ein Bub oder ein Mädchen im Bauch der Mutter heranwächst. Mondphasen, Jahreszeiten oder das Abbinden der einen Seite des Hodens: Es gibt kaum einen Versuch, vor dem man in der Vergangenheit Halt gemacht hat. «Wissenschaftlich gibt es jedoch keine zuverlässige Methode, das Geschlecht zu beeinflussen», sagt Marianne Bauer. «Entscheidend ist allein das X- oder Y-Chromosom des Spermiums.»

Sodbrennen entsteht, wenn das Ungeborene lange Haare hat.

«Sodbrennen ist in der Schwangerschaft nicht unüblich, hat jedoch nichts damit zu tun, wie üppig die Haarpracht des heranwachsenden Babys ist», sagt Marianne Bauer. Das Sodbrennen entsteht zwar im Magen, wird aber dadurch verursacht, dass die wachsende Gebärmutter den Magen hochdrückt.

Stillen verursacht «Hängebrüste».

Nicht wirklich. Nach der Geburt wollen Mütter ihren Sprösslingen die bestmöglichen Voraussetzungen bieten: Muttermilch liefert wichtige Vitamine, Mineralstoffe und Immunglobuline, die das Neugeborene für eine gesunde Entwicklung braucht. Heute kann aber auch industriell gefertigte Babynahrung Kinder optimal versorgen. «Wer sich gegen das Stillen entscheidet, entgeht dem Risiko der sogenannten ‹Hängebrust› jedoch nicht», sagt Marianne Bauer. «Die Brüste dehnen und vergrössern sich durch die Entwicklung der Milchdrüsen bereits während der Schwangerschaft.» Die Wahrscheinlichkeit einer schlaffen Brust hängt also vielmehr mit dem Alter, dem BMI, der Haut- und Gewebebeschaffenheit und der Anzahl der Schwangerschaften zusammen – nicht nur mit dem Stillen.

Das erste Kind ist nie pünktlich.

In der Regel dauert eine Schwangerschaft 280 Tage, und obwohl anhand dieses Wertes bereits am Anfang der Schwangerschaft ein voraussichtlicher Geburtstermin errechnet wird, kommen weniger als zehn Prozent aller Babys auch pünktlich. Der errechnete Termin ist lediglich ein theoretischer Mittelwert: In 94 Prozent der Fälle weicht der tatsächliche Geburtstermin davon ab. «Ob vor oder nach dem theoretischen Termin: Jedes Kind (auch das erste!) entscheidet selbst, wie pünktlich es ist», sagt Marianne Bauer.

Während des Stillens kann die Frau nicht zunehmen.

Ein praktischer Gedanke zwar, aber auch an diesem Mythos ist nicht viel dran. Dass viele Mütter während der Stillphase abnehmen, ist zwar wahr, hat aber eine andere Ursache: Stillen zehrt an den Kräften. Andere Mütter nehmen während der Stillphase auch zu, weil sie sich weniger bewegen und mehr Hunger haben. «Wichtig ist vor allem, in dieser Zeit auf eine gesunde und ausgewogene Ernährung zu achten und zumindest nicht vorsätzlich abzunehmen», sagt Marianne Bauer. «An oberster Stelle steht die bestmögliche Versorgung des Neugeborenen mit wichtigen Vitaminen und Mineralstoffen.»

Einmal Kaiserschnitt, immer Kaiserschnitt.

«Weit verbreitet und dennoch medizinisch überholt: der Mythos, dass nach einem Kaiserschnitt alle weiteren Kinder auch per Kaiserschnitt geholt werden müssen», sagt Marianne Bauer. In den meisten Spitälern kommt die Schnittentbindung nur bei Komplikationen während der natürlichen Geburt als lebensrettende Massnahme zum Einsatz. Frauen, die nach einer Sectio vaginal entbinden wollen, werden dabei unterstützt und erhalten nur bei ausdrücklichem Wunsch erneut einen Kaiserschnitt.

Fliegen während der Schwangerschaft ist gefährlich für das Kind.

Normalerweise stellt eine Flugreise während der Schwangerschaft kein Risiko für die Gesundheit dar – besonders im zweiten Drittel einer Schwangerschaft. «Während des ersten Drittels ist ein Flug jedoch nicht empfehlenswert, da der Embryo in der Gebärmutter noch sehr empfindlich ist», sagt Marianne Bauer. «In den letzten Monaten muss die Frau selbst entscheiden, ob sie sich einen Flug zutraut.» Allerdings besteht der Grossteil der Fluggesellschaften auf einem ärztlichen Attest über die Flugtauglichkeit, wenn der Geburtstermin innerhalb der nächsten acht Wochen liegt.

Gebärabteilung im KSB

Jede Geburt ist einmalig – so auch die Betreuung im KSB. Erfahren Sie mehr über das KSB-Angebot im Bereich Geburtshilfe.

Informationen für werdende Eltern

Haben Sie Fragen rund um die bevorstehende Geburt? Unsere Hebammen helfen Ihnen gerne weiter. Sie erreichen sie unter Tel. +41 56 486 35 91.
Oder besuchen Sie eine unserer Führungen durch die Gebärabteilung und die Wochenbett-Station.






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