Logopädie bei Sprachstörungen

Logopädie: Jede Stimme zählt

Die Sprache ist unser wichtigstes Kommunikationsmittel. Was aber, wenn sie nach einem Schlaganfall oder einer Krankheit nicht mehr wunschgemäss funktioniert? Oder wenn lebensbedrohliche Schluckstörungen auftreten?

Sich jederzeit sprachlich mitteilen zu können, ist für die meisten Menschen alltäglich und selbstverständlich. Hinter jedem Laut, den wir von uns geben, und hinter jedem Schluckreflex steckt aber ein filigranes Zusammenspiel vieler Komponenten: Gehirn, Lunge, Zwerchfell, Luftröhre, Kehlkopf sowie Rachen, Mundhöhle und Nasenraum. Neurologische Erkrankungen oder Hals-Nasen-Ohren-Erkrankungen können sich auf den Sprechapparat und das Gesicht auswirken und so das Sprechen und Schlucken beeinträchtigen. Nicole Bruggisser, Leiterin der Logopädie am Kantonsspital Baden, erklärt, wann und wie in solchen Fällen der Fachbereich Logopädie zum Zug kommt.

Frau Bruggisser, Sie kommen soeben von der Notfallaufnahme zurück. Was hat eine Logopädin dort zu suchen?

Die Logopädie wird dann zugezogen, wenn der Verdacht auf einen Schlaganfall besteht. Dabei müssen wir innerhalb der ersten Stunden abklären, ob der Patient in der Lage ist, Medikamente zu schlucken oder ob eine Sonde gelegt werden muss.

Sie sagen es bereits: Logopädie befasst sich nicht nur mit dem Sprechen und der Sprache, sondern eben auch mit dem Schlucken.

Genau, Schluckstörungen therapieren wir am Kantonsspital Baden besonders häufig. Beim Schlucken sind ähnliche neurologische und mechanische Vorgänge entscheidend wie beim Sprechen. Gar nicht oder nur erschwert schlucken zu können, kann lebensbedrohlich sein. Deshalb sind bei Schluckstörungen genaue Abklärungen unsererseits nötig.

Wie genau äussern sich solche Schluckstörungen?

Bei der Nahrungsaufnahme gibt es viele Anzeichen, die auf eine Schluckstörung hindeuten können: beispielsweise häufiges Husten, veränderte Atmung oder wenn das Essen im Hals stecken bleibt. Oder vielleicht hat ein Patient eine veränderte Stimme, muss sich häufig räuspern, oder der Speichelschluckreflex ist gestört. Wenn das der Fall ist, sollte man beispielsweise einen Hals-Nasen-Ohren-Arzt aufsuchen, der die betroffene Person dann – bei entsprechendem Verdacht – an uns weiterleitet.

Am KSB therapieren Sie ausschliesslich Erwachsene. Wer genau kommt zu Ihnen?

Man kann unsere Patienten grob in zwei Gruppen unterteilen: Die einen kommen im Zusammenhang mit neurologischen Erkrankungen wie Schlaganfällen oder Parkinson zu uns, die anderen haben Probleme im Hals-Nasen-Ohren-Bereich, die sich eben aufs Sprechen oder Schlucken auswirken. Wir stellen dann die entsprechende Diagnose und begleiten die Patienten während der ambulanten oder stationären Therapie.

Wie kommen die Diagnosen zustande?

Die Basis bildet unsere Logopädie-Box mit vielen Utensilien, die wir beim ersten Kontakt einsetzen. Darin sind Bild- und Textmaterialien, um Sprach- und Sprechprobleme zu diagnostizieren, aber auch Gels und andere Materialien zum Schlucken, sofern diesbezüglich Störungen bestehen. Zudem haben wir am KSB apparative und endoskopische Möglichkeiten, um unsere Diagnosen stellen zu können. Beim Schluckröntgen beispielsweise nehmen die Patienten kontrastmittelhaltige Nahrungsmittel ein. Aufgrund der Röntgenfilme sehen wir dann, wo und inwiefern der Schluckvorgang gestört ist. Anschliessend legen wir die individuelle Therapieform, die Ziele und die Übungen fest.

Ihr neunköpfiges Team am KSB besteht aus acht Logopädinnen. Wo bleiben denn die Männer in Ihrem Beruf?

Natürlich hätte ich auch gerne Männer im Team. Aber es gibt tatsächlich viel mehr Logopädinnen. Das liegt wohl daran, dass therapeutische Berufe doch immer noch eher Frauenberufe sind. Das Geschlechterverhältnis bei den Patienten hingegen ist ausgeglichen.

Die Logopädie am KSB feiert heuer ihr 20-Jahr-Jubiläum. Sie sind seit Beginn mit dabei und haben die Abteilung mit aufgebaut. Welche besonderen Erlebnisse bleiben Ihnen in Erinnerung?

Zum Beispiel Patienten mit einer gelähmten Stimmlippe nach einer Schilddrüsenoperation. Die kommen dann zu uns in die Therapie, sind sehr heiser oder können nur noch flüstern. Mitzuerleben, wie solche Patienten im Verlauf der Therapie ihre Stimme wiederfinden, ist immer wieder eindrücklich.

Logopädie am KSB

Von der logopädischen Diagnostik bis zu den Therapiemassnahmen: alles zum Leistungsangebot der Logopädie am KSB.

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