Schwangere Frau liegt auf dem Sofa

Schwangerschaft: Guter Hoffnung trotz Coronavirus

In Zeiten von COVID-19 sind viele werdende Mütter verunsichert. Inwiefern hat das neue Coronavirus Auswirkungen auf die Schwangerschaft, die Geburt und das Wochenbett? Leonhard Schäffer, Chefarzt für Geburtshilfe und Pränataldiagnostik am KSB, gibt Antworten.

Herr Schäffer, bislang war ein positiver Schwangerschaftstest bei bestehendem Kinderwunsch Grund zur Freude. Nun überwiegt bei vielen Frauen die Sorge, dass sie sich in der Schwangerschaft mit dem neuen Coronavirus anstecken und somit ihr Baby gefährden könnten.

Leonhard Schäffer: Wir spüren bei unseren Patientinnen natürlich eine gewisse Beunruhigung. Nach aktuellem Kenntnisstand besteht allerdings nur bei Schwangeren mit schwerwiegender COVID-19-Erkrankung möglicherweise ein kleines Risiko für Störungen des kindlichen Wachstums und für Frühgeburtlichkeit. Ein Risiko für kindliche Fehlbildungen konnte bisher nicht nachgewiesen werden. Ich möchte die Frauen also beruhigen. Sie dürfen und sollten auch in Zeiten von COVID-19 weiterhin guter Hoffnung sein.

Das Coronavirus ist eine bisher ungeahnte Herausforderung für die Spitäler. Gehen damit auch Änderungen hinsichtlich der Schwangerschaftskontrollen am KSB einher?

Die vorgesehenen Schwangerschaftskontrollen sollten weiterhin durchgeführt werden. Bei unkomplizierten Schwangerschaften werden wir die Kontrolle nach 16 Schwangerschaftswochen allerdings zunächst telefonisch durchführen, um dann zu entscheiden, ob die Patientin wirklich vorbeikommen muss. Damit können Kontakte minimiert werden. Das Gleiche gilt für die Routinekontrolle sechs Wochen nach der Geburt, welche zunächst telefonisch geführt wird. Falls die Patientin Zeichen einer grippalen Erkrankung hat, sollte sie sich vor Erscheinen telefonisch melden. So können wir entscheiden, ob sich ihr Termin um zwei Wochen verschieben lässt. Allerdings möchten wir die Patientinnen bitten, für die Schwangerschaftskontrolle alleine zu kommen. Nur in Ausnahmesituationen bei schwerwiegenden Komplikationen darf der Partner dabei sein. Dies sprechen wir im Vorfeld mit der Patientin ab.

Leonhard Schäffer, Chefarzt für Geburtshilfe und Pränataldiagnostik am KSB, spricht über Schwangerschaft in Zeiten des Coronavirus.

Prof. Dr. med. Leonhard Schäffer

Leonhard Schäffer, selbst Vater dreier Kinder, stiess im Juli 2014 als Chefarzt zum KSB. Zuvor war er als Oberarzt am Universitätsspital Zürich und im Spitalzentrum Biel tätig. Sein Studium in Humanmedizin schloss er im Jahr 2000 ab. Für seine Forschungsarbeiten wurde er mehrfach ausgezeichnet. 2011 habilitierte er an der Universität Zürich, die ihm die Lehrbefugnis für das Fach Geburtshilfe erteilte. Im März 2020 ist er von der Universität Zürich zum Titularprofessor ernannt worden.
Neben der Geburtsbetreuung liegen seine klinischen Schwerpunkte in der Betreuung von Risikoschwangerschaften bei mütterlichen und fetalen Erkrankungen sowie in der Pränataldiagnostik. Hierbei stehen Ultraschalluntersuchungen, Fehlbildungsdiagnostik und genetische Diagnostik im Vordergrund.

Wäre eine Hausgeburt die sichere Alternative, um eine mögliche Ansteckung zu vermeiden?

Diese Entscheidung sollte nicht durch die COVID-19-Thematik beeinflusst werden. Schwangere und Neugeborene gelten nicht als Risikogruppe, und das KSB und die Geburtshilfe sind sehr gut auf die COVID-19-Bedrohung vorbereitet. Dadurch können sie der Frau und ihrem Kind maximale Sicherheit bieten. Nicht nur, was die Sicherheit der «gesunden» Frauen im Gebärsaal und auf dem Wochenbett betrifft, sondern auch die von positiv getesteten Frauen. Auch sie betreuen wir weiterhin empathisch und gleichzeitig mit den nötigen medizinischen Sicherheitsvorkehrungen während der Geburt.

Was bedeutet dies konkret für Frauen mit positivem COVID-19-Test?

Diese Schwangeren werden unter Isolationsbedingungen behandelt bzw. entbunden. Hierfür haben wir einen genauen Ablauf definiert, um eine optimale Betreuung dieser Patientinnen zu gewährleisten. Gleichzeitig schützen wir dadurch alle anderen Schwangeren vor einer möglichen Ansteckung.

«Wir legen bei gesunden Frauen weiterhin grossen Wert auf Bonding.»
Leonhard Schäffer

Dürfen die frischgebackenen Mütter denn überhaupt noch nach der Entbindung im Spital bleiben, oder müssen sie es so schnell wie möglich verlassen?

Auch jetzt kommt die individuelle Betreuung der am KSB betreuten Schwangeren und Wöchnerinnen nicht zu kurz. Die ersten Stunden und Tage nach der Geburt sind wichtig für die frischgebackene Mutter, ihr Kind und auch den Vater. Am KSB legen wir bei gesunden Frauen auch weiterhin grossen Wert auf das sogenannte Bonding. Das bedeutet, dass die Eltern das Neugeborene in Ruhe kennenlernen und mit ihm kuscheln können. Sofern Mutter und Kind gesund sind, betreuen wir sie nach der Geburt auf der Wochenbettabteilung normal. Dadurch sind sie nach fachgerechter Anleitung zur Versorgung des Kindes und zum Stillen optimal für ihren Austritt vorbereitet.

Die Führungen durch die Gebärabteilung und das Wochenbett wurden aufgrund des Coronavirus abgesagt. Wie können sich werdende Eltern am besten über das Angebot am KSB informieren?

Sie können sich hier unseren virtuellen Rundgang anschauen. Und bei weiteren Fragen können Interessierte gern mit unserer Gebärabteilung Kontakt aufnehmen: gebaerabteilung@ksb.ch

Geburtshilfe am KSB

Jede Geburt ist einmalig. Auch in Zeiten von COVID-19 legt das KSB Wert auf eine persönliche Betreuung von Mutter und Kind während der Schwangerschaft und der Geburt mit modernster Diagnostik sowie individueller Zuwendung.

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