Ein Bub mit Sonnencreme auf dem Rücken.

So schützen Sie sich richtig vor der Sonne

Ohne UV-Schutz in die Sonne? Ein absolutes No-Go. Warum Sonnencreme trotzdem oft falsch angewendet wird und wie man sich richtig schützt, erklärt Paul Scheidegger, Spezialarzt FMH für Dermatologie und Belegarzt in der internistischen Sprechstunde am KSB.

Eine aktuelle amerikanische Studie zeigt: Chemische UV-Filter durchdringen schon nach kurzer Anwendung die Haut und gelangen ins Blut. Chemie im Blut oder verbrannte Haut – welches ist denn nun das kleinere Übel?

Paul Scheidegger: Ob das Übertreten der chemischen Substanzen ins Blut wirklich Folgen für unseren Körper hat, muss noch erforscht werden. Dies sollte Sie aber auf keinen Fall dazu verleiten, sich ungeschützt der UV-Strahlung auszusetzen. Denn die Schäden, die ein Sonnenbrand hervorruft, sind um ein Vielfaches höher: So erkranken pro Jahr 2700 Menschen in der Schweiz neu an einem Melanom, sprich am schwarzen und damit gefährlichsten Hautkrebstyp. Sonnenschutz allein mit Sonnencreme ist jedoch auch ein schlechter Kompromiss. An erster Stelle sollten stattdessen der textile Schutz sowie das Meiden der Sonne während der Mittagszeit stehen. Sprich, dass man sich zwischen 12 und 15 Uhr nicht länger als 30 Minuten draussen aufhält.

Paul Scheidegger, Spezialarzt FMH für Dermatologie
«Sonnenschutz allein mit Sonnencreme ist ein schlechter Kompromiss.»
Paul Scheidegger

Schwer zu vereinbaren mit einem Tagesausflug an den See oder in die Badi. Zumal gerade Kinder es lieben, den ganzen Tag im Wasser zu plantschen und sich kaum unterm Sonnenschirm halten lassen.

Mit einem schmackhaften Zmittag und einer Glace verweilen die Kleinen sicherlich gern ein bisschen länger im Schatten. Bei Kindern empfehlen sich zudem UV-Shirts und -Hosen. Mit diesen kann man auch schwimmen gehen. Und so ist durch die textile Bedeckung schon eine viel grössere Hautfläche geschützt als nur mit Badehose oder Bikini. Ausserdem wichtig: Der Sonnenhut mit Nackenschutz und eine Sonnenbrille. Klar, vor allem das Gesicht und andere freiliegende Hautflächen müssen am Strand und am Pool natürlich trotzdem gut eingecremt werden, besonders weil Sonnenhüte herunterfallen können oder Kleidung verrutscht. Zudem hat man auch unter dem Sonnenschirm und mit leichter Kleidung keinen 100-prozentigen Schutz.

Worauf kommt es bei der Sonnencreme an? Gerade für empfindliche Kinderhaut setze ich wohl am besten auf ein teures Produkt aus der Apotheke?

Sonnencremes vom Discounter bieten generell den gleichen Schutz wie teure Markenprodukte. Wenn Sie aber durch die neue US-Studie verunsichert sind und vermeiden möchten, dass chemische Substanzen in den Blutkreislauf übertreten, können Sie auf mineralische Sonnencreme setzen. Diese enthält mikrofeine Partikel aus Zinkoxid und Titandioxid. Sie streuen die UV-Strahlen und reflektieren diese wie ein Spiegel. Allerdings ist die Creme als weisser Film auf der Haut sichtbar. Was jedoch nicht nur von Nachteil ist: Immerhin fällt dann auf, wenn eine Hautpartie beim Eincremen vergessen wurde.

Welchen Lichtschutzfaktor (LSF) empfehlen Sie?

Bei mineralischen Cremes sollten Sie immer auf den höchsten Lichtschutzfaktor 30 setzen. Bei den anderen auf 50 plus.

Wenn ich zu LSF 12 greife, würde sich meine Eigenschutzzeit von 15 Minuten um das 12-Fache verlängern. Das entspricht drei Stunden und genügt doch für einen Nachmittag in der Badi. 

Das stimmt, sofern man die Creme richtig anwendet. Aber dies passiert leider in den seltensten Fällen. Denn im Endeffekt nehmen die meisten Menschen beim Eincremen nur etwa einen Viertel der empfohlenen Menge von zwei Milligramm pro Quadratzentimeter Haut. So wird Faktor 50 schon mal zu Faktor 4! Wer seinen ganzen Körper eincremt, braucht entsprechend 30 bis 40 Gramm. Dies entspricht einer Crememenge von sechs Esslöffeln für Erwachsene.

Kann ich eigentlich die angebrochene Sonnencreme vom letzten Sommer weiterverwenden?

Um eines vorwegzunehmen: Wenn Sie nach einer Woche Badeurlaub mit der Familie die angebrochene Sonnenlotion-Flasche wieder mit nach Hause nehmen, haben Sie definitiv etwas falsch gemacht. Denn mit 30 bis 40 Gramm Creme pro Sonnenbad dürfte eine durchschnittliche Packungsgrösse nur für fünf- bis sechsmal Eincremen reichen. Ansonsten: Wenn die Creme oft hohen Temperaturen ausgesetzt war, zum Beispiel im überhitzten Auto, kann die Wirkung auch schon nach einigen Wochen nachlassen. Die meisten Mittel sind bei guter Lagerung nach dem Öffnen etwa zwölf Monate haltbar. Die angebrochene Tube vom letzten Jahr ist also nicht wirkungslos, der Schutzfaktor kann jedoch verringert sein. Auch wenn Sand an der Flaschenöffnung klebt, sich die Konsistenz verändert hat oder die Lotion anders riecht, sollte man sie lieber entsorgen. Denn in diesem Fall können sich Bakterien in der Creme befinden.

Eine Schattenseite hat ein perfekter UV-Schutz aber dennoch: Wie kann ich meinem Körper ausreichend Vitamin D zuführen?

Indem Sie täglich, zum Beispiel am Vormittag oder am späten Nachmittag, 15 Minuten ohne Sonnenschutz hinausgehen. Aber auf keinen Fall länger. Liegt bei Ihnen tatsächlich ein Vitamin-D-Mangel vor, was sich mittels Bluttest feststellen lässt, können Sie zudem Vitamin- D3-Tropfen nehmen. Einen Schritt weiter sind schon die USA. Hier wird Vitamin D sogar der Milch beigegeben.

Ich bin in der Sonne eingeschlafen. Haben Sie einen Tipp, der hilft, einen Sonnenbrand noch abzuwenden?

Ein Trick, um die sich anbahnende Entzündung einzudämmen: Schlucken Sie zwei Aspirin, also 1000 mg ASS – dies ist ein schmerzstillender und entzündungshemmender Arzneistoff. Allerdings schützt dieser nur vor der akuten Entzündung und nicht vor den langfristigen Schäden wie vorzeitiger Hautalterung und Hautkrebs.

Paul Scheidegger, Spezialarzt FMH für Dermatologie
«Die meisten Menschen verwenden eine zu kleine Menge an Sonnencreme.»
Paul Scheidegger

Ich habe das Gefühl, die Form eines meiner Leberflecken hat sich verändert. Kann dies ein Hinweis auf Hautkrebs sein?

Um Veränderungen an Leberflecken richtig einzuschätzen, können Sie sich an der sogenannten ABCDE-Regel orientieren (siehe Box). Trifft eines dieser Kriterien zu oder sind Sie unsicher, vereinbaren Sie einen Termin bei Ihrem Hausarzt. Er führt eine erste Anamnese durch und kann Sie zur weiteren Abklärung an einen Dermatologen überweisen. Sind Sie gerade in den Ferien oder haben keine Zeit für einen Arztbesuch, können Sie Ihre Haut auch schnell und kostengünstig online über OnlineDoctor.ch abklären lassen. Innerhalb weniger Stunden erhalten Sie hier eine fachliche Einschätzung Ihres Problems durch einen Hautarzt sowie eine Handlungsempfehlung.

ABCDE -Regel

Um Veränderungen bei Leberflecken richtig einzuschätzen, orientieren Sie sich an der ABCDE-Regel. Die Buchstaben von A bis E stehen für folgende Kriterien:

  • Asymmetrie: eine ungleichmässige, asymmetrische Form statt einer gleichmässig runden, ovalen oder länglichen Form
  • Begrenzung: verwaschene, gezackte oder unebene und raue Ränder
  • Colour (Farbe): unterschiedliche Färbungen; hellere und dunklere Flecken in einem Mal statt einer gleichmässigen Farbe
  • Durchmesser: grösser als fünf Millimeter an der breitesten Stelle
  • Evolution: Veränderungen innerhalb der letzten drei Monate

Sind Sie unsicher, ob der Fleck auf Ihrer Haut bloss ein Muttermal oder doch ein Melanom ist? Oder sind Sie an einem medizinischen Check-up interessiert? Für Terminvereinbarungen und Fragen erreichen Sie unser Team der ambulanten internistischen Sprechstunde über die Telefonnummer 056 486 16 00 oder per E-Mail internistische.sprechstunde@ksb.ch .






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