Handchirurgin Evelin Soleman

Handchirurgin mit Fingerspitzengefühl

Von abgetrennten Fingern, spitzen Scheren und der Vorsicht beim Avocadoschneiden: Handchirurgin Evelin Soleman erzählt von den prägendsten Erlebnissen ihrer Karriere und wann sie sich Sorgen um ihre eigenen Hände macht.

Die Hände stehen bei ihr im Zentrum: Evelin Soleman ist Handchirurgin am KSB. Filigrane Arbeit sagte ihr schon immer zu. Ihre erste Operation war zufälligerweise eine handchirurgische. Einige Jahre später ist sie nun die stellvertretende leitende Ärztin der Handchirurgie am KSB. Hier blickt sie auf ihre prägenden Erlebnisse zurück: von abgetrennten Fingern und dem Moment grösster Nervosität, den sie immer wieder erlebt.

Meine erste Operation …

… war eine handchirurgische. Damals wusste ich aber noch nicht, dass dies später meine Fachdisziplin werden würde. Es war eine Karpaldachspaltung. Diese Operation ist nötig, wenn bei jemandem der Durchgang eines Nervs vom Arm in die Hand verengt ist. Der Eingriff ist eigentlich nicht kompliziert. Aber ich war nervös und hatte Angst, dass ich den betroffenen Nerv verletze und die Patientin dann wegen mir beeinträchtigt wäre. Natürlich war da keine Gefahr, ein erfahrener Oberarzt stand die ganze Zeit neben mir und passte auf. Heute führe ich diese Operation am häufigsten durch.

Mein kuriosester Fall …

… war ein Patient, der sich beim Heimwerken verletzt hatte. Er stand auf einer Leiter und reinigte die Dachrinnen. Dann rutschte ihm plötzlich die Leiter weg. Um nicht zu fallen, hielt er sich an der Rinne fest. Es war aber niemand da, der ihm hätte helfen können. Die Kanten der Rinne waren so scharf, dass sie ihm tief in die Finger schnitten und Gewebe, Sehnen und Nerven durchtrennten. Dadurch fehlte die Verbindung zu den Muskeln, er konnte sich nicht mehr festhalten und fiel zu Boden. Der Sturz machte ihm nichts aus, aber wir mussten ihm während etwa zwölf Stunden nahezu alle Sehnen und viele Nerven an beiden Händen wieder zusammennähen. Er erzählte mir, dass er sechs Wochen nach dem Unfall heiraten werde, und seine Sorge war, dass ihm der Ehering nicht mehr passen würde. Ob das der Fall war, weiss ich leider bis heute nicht, weil ich danach das Spital gewechselt habe.

Mein wichtigstes Instrument …

… sind meine Hände. Ich brauche sie bei jeder Untersuchung zum Abtasten der Hände und Arme meiner Patienten. Oft erkenne ich schon dadurch das Problem und kann auf weitere Untersuchungen wie Ultraschall oder MRI verzichten. Oder aber man kann die weiteren Untersuchungen gezielter einsetzen.

Im Operationssaal ist die Stevens-Schere mein wichtigstes Instrument. Sie ist schmal, spitzig und leicht gebogen, ähnlich wie eine Nagelschere. Damit kann man sehr genau arbeiten und Gefässe, Nerven und Sehnen freilegen.

Meinen Moment der grössten Nervosität …

… erlebe ich immer wieder bei Replantationen. Das heisst, wenn jemand bei einem Unfall einen Finger verliert und wir diesen wieder annähen. Die Blutgefässe fixiert man zunächst mit winzigen Clips, ähnlich wie Wäscheklammern. So können wir die Gefässe besser zusammennähen. Anschliessend lösen wir die Klammern – und das ist der Moment: Fliesst das Blut durch das genähte Gefäss und der Finger färbt sich rosa? Dann ist die Chance gross, dass er wieder anwächst. Wenn nicht, müssen wir neu nähen, oder aber die Verletzung ist zu stark und eine Replantation nicht möglich.

Meinen emotionalsten Moment …

… erlebte ich bei einer 17-jährigen Patientin. Sie war in der Ausbildung zur Schreinerin und trennte sich bei einem Unfall mit einer Säge Zeige- und Mittelfinger ab. Wir nähten die Finger wieder an. Sie hatte gute Voraussetzungen, dass sie wieder anwachsen würden: Sie war jung, gesund, rauchte nicht. Und zu Beginn sah es auch danach aus, als wäre die Operation erfolgreich verlaufen. Aber an Tag fünf verfärbten sich die Finger plötzlich dunkel. Das ist das Zeichen, dass sie nicht überleben werden. Ich hätte ihr gerne geholfen, doch die Finger waren nicht mehr zu retten. Das war frustrierend.

Meine Hände …

… sind für mich unersetzbar. Bei all den Verletzungen, die ich Tag für Tag sehe, mache ich mir manchmal schon Sorgen um meine eigenen Hände. Ich überlege mir dann, wie ich damit umgehen würde. Oft sind es ja kleine Unfälle, die dann schon viel Zeit für die Heilung benötigen: Beim Gemüserüsten abrutschen und dabei die Sehne verletzen bedeutet beispielsweise zwölf Wochen Genesung. Ich lasse mich davon zwar nicht einschüchtern. Aber ich merke, wie ich bei einigen Tätigkeiten besonders vorsichtig bin, zum Beispiel beim Avocadoschneiden: Auf dem glitschigen Stein rutscht man einfach mit dem Messer ab.






Wenn der Daumen schmerzt

Tippen, Swipen, Wischen, Klicken – exzessive Handynutzung kann zu einem schmerzhaften «Handydaumen» führen. Was genau die Ursachen des Schmerzes im Daumen sind, und was Sie dagegen tun können, erklärt Handchirurgin Evelin Soleman.

In den Händen der Spezialisten

Sie leiden an einem Handydaumen oder haben Schmerzen im Handgelenk? Die Experten des Orthopädie-Zentrums am KSB helfen Ihnen weiter.






War dieser Artikel nützlich für Sie?
Ja Nein

Sie haben für diesen Artikel abgestimmt.

Sie haben gegen diesen Artikel gestimmt.

Newsletter Anmeldung