Reizdarm: Illustration

Reizdarm: Linderung durch richtige Ernährung

Fast jeder zehnte Erwachsene leidet am Reizdarmsyndrom. Die Verdauungsprobleme sind zwar aus gesundheitlicher Sicht ungefährlich, können jedoch die Lebensqualität der Betroffenen stark einschränken. Um die Symptome bei Reizdarm zu lindern, gibt es verschiedene Behandlungen. Unter anderem eine spezielle Ernährungsform.

Krampfartige Bauchschmerzen, Druckgefühl im Unterbauch, Völlegefühl oder Blähungen – diese Beschwerden gehören für 10 bis 15 Prozent der Schweizerinnen und Schweizer zum Alltag. Damit zählt das sogenannte Reizdarmsyndrom (Colon irritabile) zu den häufigsten Erkrankungen des Magen-Darm-Trakts.

Die Symptome entstehen aufgrund einer funktionellen Störung der Verdauung. Das bedeutet, dass im Organ selbst zwar keine Ursache erkennbar, dennoch seine Funktion beeinträchtigt ist. In vielen Fällen ist der Nahrungstransport im Dickdarm gestört, was zu Reizungen und erhöhter Schmerzempfindlichkeit im Unterbauch führt. Auch der gesamte Verdauungstrakt inklusive Dünndarm und Magen kann betroffen sein.

Reizdarm hat viele Ausprägungen

Beim Reizdarmsyndrom treten die Symptome über einen längeren Zeitraum auf (mindestens drei Monate) und zeigen sich in ihrer Intensität mal stärker und mal schwächer. «Die Beschwerden sind je nach Patient völlig unterschiedlich», erklärt Angélique Sponholz-Schudel, Gastroenterologin am Kantonsspital Baden. «Während einige Patienten an Verstopfung und Völlegefühl leiden, haben andere mit Bauchkrämpfen und Durchfall zu kämpfen.»

Die Ursachen des Reizdarmsyndroms sind unklar. Man vermutet, dass mehrere Faktoren bei der Entstehung der Krankheit zusammenspielen. So kann die Folgeerscheinung eines Darminfekts eine ebenso mögliche Ursache sein wie die Einnahme bestimmter Antibiotika oder Nahrungsmittel. Sponholz-Schudel ergänzt: «Neben falschen Ernährungsgewohnheiten können auch Stress, Schlafstörungen oder psychischen Belastungen den Krankheitsverlauf beeinflussen.»

Sind die Beschwerden besonders intensiv und langanhaltend, vermuten Betroffene oftmals eine schwerwiegende Erkrankung. «Das Reizdarmsyndrom ist aber aus gesundheitlicher Sicht ungefährlich», beruhigt die Gastroenterologin. Dennoch sei der Leidensdruck der Patienten mit Reizdarm nicht zu unterschätzen. «Ständiger Durchfall und heftige Bauchkrämpfe schränken die Lebensqualität und Leistungsfähigkeit stark ein.»

Reizdarm-Diagnose: Tagebuch und Laboruntersuchungen

Der erste Schritt zur Diagnose ist ein ausführliches Gespräch mit dem Patienten. Zur Unterstützung kann ein Tagebuch dienen, in dem der Patient Dauer, Verlauf und Intensität der Beschwerden notiert. Einen speziellen Test, der das Reizdarmsyndrom feststellt, gibt es jedoch nicht. «Die Anamnese und die darauf folgenden Untersuchungen zielen darauf ab, andere, organische Ursachen auszuschliessen», sagt Sponholz-Schudel. Zur Diagnoseerstellung sind verschiedene Laboruntersuchungen von Blut- und Stuhlproben notwendig. Weitere Massnahmen wie Ultraschall, Röntgen oder ein Test auf Nahrungsmittelallergien oder -unverträglichkeiten (z.B. Laktose, Gluten) können folgen. Der behandelnde Arzt stellt so sicher, dass keine andere chronisch-entzündliche Darmerkrankung wie Morbus Crohn oder Colitis ulcerosa vorliegt. «Denn diese Krankheiten werden völlig anders als ein Reizdarm behandelt», betont Angélique Sponholz-Schudel.

«Neben falscher Ernährung beeinflussen auch Stress, Schlafstörungen oder psychischen Belastungen die Krankheit.»
Angélique Sponholz-Schudel

So vielfältig wie die Erkrankung selbst sind auch die Behandlungsmöglichkeiten von Reizdarm. Schon leichte, krampflösende Medikamente, Probiotika, pflanzliche oder synthethische Ballaststoffe und Durchfallhemmer können den Stuhlgang regulieren und die Beschwerden lindern. Zudem haben wissenschaftliche Studien ergeben, dass sich spezielle Ernährungsformen positiv auf die chronischen Verdauungsprobleme auswirken.

Kohlenhydratarme Ernährung

Eine sogenannte FODMAP-arme Diät kann dabei helfen, den Darm zu beruhigen und Krämpfe zu lösen. FODMAP steht als Abkürzung für fermentierbare Oligo-, Di- und Monosaccharide und Polyole. Das sind Kohlenhydratverbindungen in Form von Zucker, die in Lebensmitteln wie Weizen, Roggen und Hülsenfrüchten, aber auch in Obst, Gemüse und Milchprodukten enthalten sind. Diese Art der Ernährungstherapie schliesst zunächst fast alle FODMAP-haltigen Lebensmittel aus. Verbessern sich die Symptome, werden im nächsten Schritt die Nahrungsmittel wieder nach und nach im Speiseplan eingeführt. Am Ende erhält der Patient einen individuell zugeschnittenen Ernährungskompass, der sich positiv auf seine Verdauung auswirkt. Aber Achtung: Eine FODMAP-arme Ernährung schränkt vor allem in der ersten Phase die Lebensmittel stark ein. Um eine Mangelernährung zu verhindern, ist es unumgänglich, sich von einem Ernährungsberater begleiten zu lassen.

Vermuten Sie ein Reizdarmsyndrom?

Haben Sie Probleme mit Ihrer Verdauung, oder leiden Sie unter den oben genannten Beschwerden? Die Experten des interdisziplinären Darmzentrums am KSB beraten Sie gerne:






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