Matthias Froh, Chefarzt Gastroenterologie am KSB

Darmkrebs: «Eine Darmspiegelung ist gut investierte Zeit»

Darmkrebs ist eine der häufigsten Krebsarten. Eine Vorsorgeuntersuchung mittels Darmspiegelung verschafft Klarheit. Matthias Froh, Gastroenterologe am KSB, entkräftet Vorurteile und Ängste im Zusammenhang mit einer solchen Untersuchung.

Eines vorneweg: Gastroenterologe Matthias Froh gesteht, dass er neulich, vor seiner eigenen ersten Darmspiegelung, ebenfalls ein etwas mulmiges Gefühl hatte. Der Experte kann also ganz gut nachvollziehen, wie sich seine Patienten fühlen. Wie Froh die Untersuchung erlebt hat, lesen Sie am Ende des Artikels. Zuerst versuchen wir, die Alarmglocken der Leserschaft etwas leiser zu stellen. Denn viele Leute sind irritiert ob der Vorstellung, dass der persönliche Hinterausgang bei einer Darmspiegelung zum Hintereingang wird. Aber eine solche Untersuchung kann lebensverlängernd sein.

Jede Schweizerin und jeder Schweizer hat ab dem 50. Lebensjahr eine von der Krankenkasse vollumfänglich gedeckte Darmspiegelung zur Darmkrebsvorsorge zugute. Auch wenn die Person beschwerdefrei ist – oder vielleicht, gerade selbst wenn die Person beschwerdefrei ist. Was dabei passiert, ist viel harmloser und ungefährlicher als allgemein angenommen. Trotzdem ist das Thema mit vielen Tabus und Unsicherheiten behaftet. Zweifel oder «Darm-Alarme» sozusagen, die dieser Artikel zu entkräften versucht.

Darm-Alarm #1: Mein Analtrakt geht keinen etwas an!

Aber Darmkrebs geht Sie etwas an. Denn diese Krebsart belegt, was die Verbreitung angeht, sowohl bei den Frauen wie auch bei den Männern ab 50 Jahren einen Platz auf dem Podest. «Eine Vorsorgeuntersuchung wie eine Darmspiegelung lohnt sich definitiv», sagt Matthias Froh, Chefarzt Gastroenterologie am KSB. «So entdecken wir Frühstadien einer Erkrankung. Selbst wenn keine Schmerzen oder anderen Beschwerden auftreten.» Froh empfiehlt gesunden Menschen ohne familiäre Vorbelastung eine Koloskopie, also eine Darmspiegelung, alle zehn Jahre oder alle zwei Jahre einen Stuhltest. «So sind sie auf der sicheren Seite. Wir wollen die Darmspiegelung ja nicht erst dann machen, wenn es schon zu spät ist.»

Darm-Alarm #2: Darmkrebs? Ich habe ja keine Beschwerden!

Diese Haltung steht im Widerspruch zum generellen Sinn von Vorsorgeuntersuchungen. «Die Leute gehen nicht gern zum Arzt, wenn sie beschwerdefrei sind», sagt Gastroenterologe Froh. «Das ist einerseits verständlich, andererseits geht es in der Vorsorge ja gerade darum, mögliche Erkrankungen früh genug zu erkennen.» Im Falle des Darmkrebses bilden sich beispielsweise zuerst gutartige Polypen, die keinerlei Schmerzen verursachen. Lässt man diese wuchern, sind lebensbedrohliche Folgen absehbar.

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Darm-Alarm #3: Finger des Arztes im Po? Nein, danke!

Untersucht wird nun mal dort, wo möglicherweise ein Problem besteht. Aber Froh winkt ab: «Klar, vor einer Darmspiegelung tasten wir kurz den After ab. Aber davon bekommt der Patient überhaupt nichts mit, weil er zu diesem Zeitpunkt bereits schläft.» Etwas unangenehmer ist allerdings die Vorbereitung auf die Untersuchung. «Der Darm muss bei der Untersuchung komplett entleert sein. Dazu trinkt der Patient am Vortag zu Hause drei Liter einer Salzlösung, die ihn durchfallartig abführt.» Ein sauberer Darm ist das A und O der Untersuchung. «Ich sage den Patienten immer: ‹Je besser Sie abführen, desto mehr Licht habe ich im Tunnel.›» Und je mehr Licht im Tunnel, desto zuverlässiger das Resultat. Wichtig ist auch, dass die Patienten am Tag vor der Untersuchung nur noch leichte Nahrung wie Bouillon und klare Flüssigkeiten zu sich nehmen.

Darm-Alarm #4: Eine Darmspiegelung ist schmerzhaft!

Wie bereits erwähnt, spürt der Patient bei der Untersuchung nichts. «Heutzutage machen wir solche Untersuchungen nicht mehr ohne Sedierung», sagt Matthias Froh. Der Patient bekommt also ein Schlafmittel verabreicht und liegt während der Darmspiegelung zugedeckt auf einer Liege. Bei der Untersuchung führt der Gastroenterologe das Endoskop durch den After in den Darm ein. Mit diesem biegsamen, schlauchförmigen Gerät sucht er den Dickdarm bis zum Übergang zum Dünndarm nach Auffälligkeiten ab. Polypen oder Polypenknospen, also potenzielle Vorstufen zum Darmkrebs, werden gleich bei der Untersuchung entfernt. «Diagnostik und Therapie in einem ­– das ist im Gegensatz zu einem Stuhltest der grosse Vorteil einer Darmspiegelung.» Entferntes Gewebe wird anschliessend unter dem Mikroskop untersucht. Den Untersuchungsbericht erhält der Patient dann vom Hausarzt oder in einer Nachbesprechung beim Gastroenterologen. Sind Polypen erkennbar, sollte der Patient die Darmspiegelung in der Regel nach drei bis fünf Jahren wiederholen – je nach Vorkommen. Findet Froh nichts, steht das entlastende Resultat meist gleich nach der Darmspiegelung fest.

Darm-Alarm #5: Die Untersuchung ist bestimmt gefährlich!

Nein, im Gegenteil. «Eine Darmspiegelung ist eigentlich harmlos. Die statistische Chance, dass dabei etwas schiefgeht, ist sehr gering.» Zudem dauert die ganze ambulante Prozedur nur rund zwanzig Minuten. Mit Ein- und Austritt aus dem Spital rechnet Matthias Froh mit zirka ein bis maximal zwei Stunden. Gefährlich kann es allerdings werden, wenn die Darmkrebsvorsorge vernachlässigt wird. Denn auch wenn Ort und Art der körperlichen Untersuchung für einige Menschen unangenehm sind, ist das Thema wichtig. «Eine Darmspiegelung zur Vorsorge kann lebensverlängernd sein und ist auf jeden Fall gut investierte Zeit.»

Daher liess sich auch Gastroenterologe Froh anlässlich seines 50. Geburtstags voruntersuchen. Sein Fazit: «Das Abführen am Vortag ist unangenehm. Die Untersuchung an sich ist überhaupt kein Problem. Ich habe sie komplett ‹verschlafen›.»

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