Illustration von Spermien

Unfruchtbarkeit beim Mann: Der grosse Mythencheck

«Schläge auf die Hoden machen unfruchtbar!» Tatsächlich? Geht es um die Zeugungsfähigkeit des Mannes, kursieren jede Menge Gerüchte und Halbwahrheiten. Wir klären über mögliche Ursachen auf und sagen, welche Mythen zur männlichen (Un-)Fruchtbarkeit wahr sind.

Gemäss WHO-Definition gilt man als unfruchtbar oder infertil, wenn der Kinderwunsch nach einem Jahr mit regelmässigem, ungeschütztem Geschlechtsverkehr unerfüllt bleibt. Danach ist also eine ärztliche Untersuchung angezeigt. Und zwar für beide Partner – Mann und Frau sind ungefähr gleich häufig die Ursache für die ausbleibende Schwangerschaft.

Die männliche Fruchtbarkeit ist mittels Ejakulatanalyse messbar. Untersucht werden dabei unter anderem Anzahl und Beweglichkeit der Spermien.

Es gibt zahlreiche Faktoren, welche die Fruchtbarkeit beeinträchtigen können. Allerdings sind nicht alle verbreiteten Weisheiten darüber wahr. Hier widerlegen wir einige Gerüchte zur verminderten Zeugungsfähigkeit beim Mann.

Schläge auf die Hoden machen unfruchtbar.

Praktisch jeder Mann musste schon einen Schlag, Ball oder Tritt in die Kronjuwelen erleiden. In den meisten Fällen ist das unbedenklich. Vor allem dann, wenn der Schmerz nach einigen Minuten wieder abklingt.

Gefährlich wird es dann, wenn die Hoden noch Stunden nach dem Ereignis schmerzen, empfindlich sind oder anschwellen. Dann sollten Sie einen Urologen oder eine Urologin aufsuchen. Ob wiederholte Traumata an den Hoden die Fruchtbarkeit nachhaltig beeinträchtigen, ist nicht wissenschaftlich geklärt. Ein Lichtblick: Auch einige der Stars der US-Stunt-Show «Jackass» haben Kinder.

Weshalb haben Männer eigentlich einen Hodensack?

Dass die Hoden nicht im Körperinneren liegen, macht sie zwar zu einem leichten Ziel für anfliegende Bälle, kraftvoll geschwungene Füsse oder unbeugsame Verkehrspfosten. Doch hat diese Position den Vorteil, dass es im Hodensack einige Grad kälter ist als im Körperinneren. Das hilft bei der Produktion und dem Überleben der Spermien. Wird es zu kalt, zieht sich der Hodensack zusammen, um die Hoden am Körper aufzuwärmen.

Enge Kleidung schadet der Fruchtbarkeit.

Skinny Jeans oder enge Unterhosen können tatsächlich einen negativen Effekt auf die Fruchtbarkeit von Männern haben. Besonders, wenn sie nicht atmungsaktiv sind. Denn durch den eingeschränkten Bewegungsfreiraum erwärmen sich die Hoden über die Idealtemperatur. Das beeinträchtigt sowohl die Anzahl als auch die Qualität der Spermien. Allerdings handelt es sich um einen kurzfristigen Effekt. Enge Hosen können die Qualität der Samen nur temporär vermindern.

Krebskranke werden unfruchtbar.

Das ist von Patient zu Patient unterschiedlich und lässt sich nicht pauschal sagen. Bestimmte Krebserkrankungen wie zum Beispiel Hodenkrebs gehen mit einem erhöhten Risiko auf Infertilität einher.

Häufiger als die Erkrankung selbst führt jedoch die Behandlung zu einer Beeinträchtigung der Fruchtbarkeit. Ist eine Operation oder Bestrahlung in der Bauch- oder Lendenregion nötig, lässt sich unter Umständen nicht vermeiden, dass auch Teile des Geschlechtsapparats in Mitleidenschaft gezogen werden. Auch eine Chemotherapie kann die Funktionalität der Hoden oder des Glieds beschädigen. Möglich ist aber auch, dass sich diese nach der Behandlung regeneriert oder gar nicht erst beeinflusst wird.

Ausserdem besteht die Option, eine Samenprobe vor der Behandlung einfrieren zu lassen. Dadurch behält sie ihre Qualität und kann später verwendet werden, um ein Kind zu zeugen.

Vegetarier sind weniger fruchtbar.

Es gab 2014 tatsächlich eine Studie, die bei Vegetariern und Veganern eine schlechtere Spermaqualität nachwies. Die Studie führte dies darauf zurück, dass Vegetarier als Fleischersatz eher mehr Sojaprodukte zu sich nehmen, wie zum Beispiel Tofu. Und diese enthalten oftmals Stoffe, die dem weiblichen Hormon Östrogen ähneln. Nimmt ein Mann zu viel davon ein, so stört das seinen Hormonhaushalt und somit auch die Spermienproduktion. An diesem Mythos könnte also tatsächlich etwas dran sein. Doch die Studie wurde nie wiederholt oder bestätigt.

Bestimmte Sexstellungen helfen beim Kinderzeugen.

Am wichtigsten – das betonen Ärztinnen und Ärzte immer wieder – ist, dass beide Partner Lust, Spass und Freude am Geschlechtsverkehr haben. Abgesehen davon spielt die Stellung keine Rolle. Wichtig ist, dass die Ejakulation in der Scheide erfolgt.

Zu viel Sex mindert die Chance, ein Kind zu zeugen.

Die Geschlechtsteile des Mannes brauchen nach einem Samenerguss Zeit, um wieder Spermien herzustellen und reifen zu lassen. Hat der Mann jeden Tag einen Samenerguss, so ist die jeweilige Anzahl Spermien pro Erguss kleiner. Das vermindert die Fruchtbarkeit. Deshalb ist es nicht zielführend, jeden Tag Geschlechtsverkehr zu haben. Wartet man hingegen zu lange, ist der Anteil deformierter, abgestorbener oder immobiler Spermien im Ejakulat grösser. Als Faustregel hat sich deshalb durchgesetzt, dass Paare mit Kinderwunsch jeden zweiten Tag miteinander schlafen sollten.

Dies gilt jedoch nur in der fruchtbaren Zeit: Die Eizelle kann nur während maximal 24 Stunden nach dem Eisprung befruchtet werden. Und Spermien können unter günstigen Bedingungen bis zu fünf Tage in der Frau überleben. Deshalb sind die fünf Tage vor dem Eisprung entscheidend. In dieser Zeit sind die Chancen auf eine Schwangerschaft am besten. Alle zwei Tage Sex zu haben, ist allerdings eine sehr generalisierte Richtlinie. Für jedes Paar kann ein anderer Rhythmus zielführender sein.

Tabak, Alkohol und Drogen schaden der Fruchtbarkeit.

Um die Fruchtbarkeit zu verbessern, sollten Männer die Finger von Zigaretten, Bier und anderen Drogen lassen. Denn Nikotin und Alkohol sind Nervengifte, die auch die Spermienqualität massgeblich beeinträchtigen. Studien haben bewiesen, dass Rauchen dazu führt, dass es im Ejakulat eines Mannes weniger Spermien hat und diese zudem häufiger unbeweglich oder deformiert sind. Dasselbe gilt für Alkohol.

Auch weitere Drogen können negative Auswirkungen auf die Zeugungsfähigkeit von Männern haben. So senkt beispielsweise der Cannabis-Wirkstoff THC die Testosteronkonzentration im Blut. Zurückhaltung oder Verzicht sind hier angesagt.

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