Eine Frau untersucht die Beine einer Patientin mit Lipödem

Lipödem oder Lymphödem: Warum sind meine Beine so dick?

Beim Lipödem und Lymphödem füllt sich das Gewebe mit Flüssigkeit oder Fett. Auch wer sich gesund ernährt und viel Sport treibt, ist nicht vor den Erkrankungen gefeit. Erfahren Sie, welche Behandlungsoptionen es gibt und wann die richtige Ernährung helfen kann.

Nicht immer ist Übergewicht der Grund für dicke Beine. Lipödem und Lymphödem haben mit fehlendem Sport und falscher Ernährung wenig zu tun. Doch die Effekte können ähnlich sein: aufgeplusterte Gliedmassen, Druckschmerzen und empfindliche Haut.

Lipödem: hormonelle Veränderungen als Risiko

Ein Lipödem ist eine krankhafte Vermehrung von Fettgewebe in der Unterhaut. Normalerweise tritt die Krankheit nur bei Frauen auf. Beim Lipödem schwellen jeweils beide Beine oder Arme an. Dabei bleiben Oberkörper, Hände, Füsse und Gesicht schlank. Dadurch kann man die Krankheit klar von Adipositas unterscheiden. Die Beine oder Arme nehmen an Masse zu und können unerklärliche blaue Flecken aufweisen.

Besteht eine Vorgeschichte in der Familie, neigen Frauen eher dazu, ein Lipödem zu entwickeln. «Starke Veränderungen des Hormonhaushalts, wie in der Pubertät, während der Schwangerschaft oder in der Menopause, wirken begünstigend für ein Lipödem», sagt Ludmila Gajdos, Oberärztin Angiologie am KSB. Auch eine rasche Gewichtszunahme oder ein Jojo-Effekt gälten als Risikofaktor. Abgesehen davon sind die Ursachen des Lipödems jedoch nicht vollständig geklärt.

«Wir können nur die Symptome behandeln – also die Schmerzen therapieren und eine Stabilisation erreichen.»
Ludmila Gajdos

Ketogene Diät kann helfen

Dementsprechend kann man in der Therapie bisher nur die Symptome angehen. «Wir wollen die Schmerzen behandeln und eine Stabilisation erreichen», so Gajdos. Kompressionsstrümpfe und Lymphdrainagen gehören seit kurzer Zeit zur Behandlung eines Lipödems am KSB. Doch laut Gajdos ist die Wirkung noch unklar. Immerhin sprächen einige Patienten darauf an, so die Angiologin.

«Eine ausgewogene Ernährung kann beim Lipödem zumindest dazu beitragen, dass sich das Problem nicht verschlimmert», fügt KSB-Ernährungsberaterin Luzia Thali hinzu. «Ausserdem setzen wir seit rund einem Jahr auf die kohlenhydratreduzierte Diät, auch Keto-Diät genannt», so Thali. Allerdings bedeute Diät im medizinischen Kontext eine gewisse Ernährungsweise, keine Diät im umgangssprachlichen Sinne.

Die KSB-Ernährungsberaterinnen entwerfen einen individuellen, kohlenhydratarmen Ernährungsplan, um das Gewicht langsam zu reduzieren und zu stabilisieren. «Aber das Lipödem wird dadurch nicht geheilt», räumt Thali ein.

So funktioniert die ketogene Diät

Während der ketogenen Diät nehmen Patientinnen in einer ersten Phase extrem wenig Kohlenhydrate zu sich. Dadurch gerät der Stoffwechsel in die sogenannte Ketose. Der Körper mobilisiert die Reserven aus dem Fettdepot. Die daraus entstehenden Ketone liefern dem Körper die nötige Energie. Längerfristig essen Patientinnen dann täglich rund 125 Gramm Kohlenhydrate. Das ist zwar wenig, aber zählt immer noch als gesunde Ernährung. Da sich der Körper zu diesem Zeitpunkt nicht mehr in der Ketose befindet, ist die kohlenhydratreduzierte Ernährung am KSB keine ketogene Diät im medizinischen Sinne. Eingeschränkt werden Getreideprodukte, Kartoffeln, Reis und Früchte. Auf den Teller kommen Gemüse, Fleisch, Tofu, Fisch und Eier.

Grenzen der ketogenen Diät

«Zum Ketokonzept gibt es wenige wissenschaftliche Daten und deshalb keine Erfolgsgarantie. Am KSB haben wir damit aber durchaus gute Erfahrungen gemacht», sagt Luzia Thali. Patientinnen konnten abnehmen, bewusster essen und mehr Sport treiben. All das führe auch zu einem besseren psychischen Befinden. Am wichtigsten ist es laut Thali, beim Gewicht einen Jojo-Effekt zu verhindern.

«Wir haben mit der ketogenen Diät gute Erfahrungen gemacht.»
Luzia Thali

Die letzte Massnahme bei einem Lipödem: die Liposuktion. Bei dieser operativen Fettabsaugung entfernt die Ärztin oder der Arzt das überschüssige Fett und Wasser. Dadurch wird das Bein oder der Arm wieder schlanker. «Ob Patientinnen nach einer Liposuktion aber wirklich weniger Beschwerden haben, ist umstritten», sagt Angiologin Ludmila Gajdos. Die Liposuktion helfe nicht in jedem Fall, oder aber die Effekte seien nicht dauerhaft.

Lymphödem: «Wasser in den Beinen»

Auch beim Lymphödem sind eher Frauen betroffen. Allerdings schwellen hier die Beine unterschiedlich stark an. Dies kann dazu führen, dass der Patientin gar nicht auffällt, dass auch das «schlankere» Bein angeschwollen ist.

Das Lymphsystem, welches Flüssigkeit aus den Zellen von Abfallstoffen reinigt und wieder in den Kreislauf bringt, weist einen Fehler auf. Dieser kann angeboren sein oder entstehen, wenn bei einer Operation oder Verletzung Lymphgefässe beschädigt wurden. Typischerweise tritt ein Lymphödem nach einer Tumorentfernung auf, wenn beim Eingriff auch Teile des Lymphsystems entfernt wurden.

Trägt das Lymphsystem die Flüssigkeit nicht mehr richtig ab, sammelt sich diese in den Zellzwischenräumen an. Weil die Lymphgefässe die Flüssigkeit nicht mehr nach oben pumpen können, schwellen der Fuss und das Bein an. Ausprägungen an Arm, Rumpf, Hals oder Kopf sind seltener.

Die eiweissreiche Flüssigkeit im Gewebe ist ein optimaler Nährstoff für Bakterien und Pilze. «Deswegen müssen Betroffene besondere Acht auf Hautpflege geben, denn schon kleinste Schnitte oder Stiche können Infektionen auslösen», sagt Ludmila Gajdos.

Das Stemmersche Zeichen

Ein klares Zeichen für ein Lymphödem ist das Stemmersche Zeichen: Kann man die Haut über der zweiten oder dritten Zehe nicht kneifen und anheben, so ist das Zeichen positiv, und man hat ein Lymphödem.

Behandlung des Lymphödems

Beim Lymphödem besteht die Behandlung vor allem aus Kompressionstherapie. Das bedeutet Strümpfe oder einen Verband, kombiniert mit regelmässigen Lymphdrainagen. «Eine Fettabsaugung kommt beim Lymphödem nicht infrage», sagt Ludmila Gajdos. Um die betroffene Extremität zu schonen, verzichten Ärztinnen und Ärzte gar auf Blutdruckmessungen oder Stiche für die Blutentnahme. Ausserdem sollten Patienten weder Armbänder noch Uhr tragen.

Und die Ernährung? Laut Luzia Thali kann auch hier eine kohlenhydratarme Ernährung helfen. «Es kann sein, dass einer Patientin ein bestimmter Ernährungsstil guttut. Die Ernährung ist etwas sehr Individuelles. Auch beim Lipödem sprechen einige Patientinnen auf Diäten an, andere aber nicht.»

Thali empfiehlt gerade Frauen, bei denen es Lipödeme in der Familie gibt, ein gesundes, stabiles Gewicht anzustreben. Auch ein aktiver Lebensstil sei ratsam. Vor allem bei hormonellen Veränderungen wie Pubertät, Schwangerschaft oder Menopause gelte es, aufzupassen und gegebenenfalls schnell zu reagieren.

Angiologie am KSB

Werden Ihre Gliedmassen plötzlich unerklärlich dicker? Unsere Spezialistinnen und Spezialisten für Angiologie am Gefässzentrum besprechen mit Ihnen Ihre Beschwerden und die passende Behandlung.

Jetzt für die Sprechstunde anmelden





Mehr zum Thema:

Top

Flop

Sie haben für diesen Artikel abgestimmt.

Sie haben gegen diesen Artikel gestimmt.

Newsletter Anmeldung