Illustration des Lymphsystems

Das Reinigungssystem des Körpers

Lange Zeit wurde das Lymphsystem stiefmütterlich behandelt. Nun rückt das System immer mehr in den Fokus der Medizin. Werden sie früh erkannt, kann man Beschwerden des Systems gut behandeln.

Fein verästelt wie eine Baumkrone zieht sich das Lymphgefässsystem durch den Körper: In Fingern und Zehen besteht es aus kleinen Gefässen und verzweigt sich zu immer grösseren Lymphbahnen. Das System nimmt alles aus dem Gewebe auf, was nicht länger dort verbleiben soll, beispielsweise Wasser, Eiweisse, geschädigte Zellen und Fremdkörper wie Bakterien. Diese Flüssigkeit, auch Lymphe genannt, führt es zu den Lymphknoten, wo sie gefiltert wird. In Lymphsammelstämmen wird die Lymphe dann in die Nähe des Herzens weitertransportiert. Dort gelangt sie in die Blutbahnen und wird über die Niere ausgeschieden. Pro Tag nimmt das System rund fünf Liter Gewebeflüssigkeit auf.

Das Lymphgefässsystem hat – anders als das Herz-Kreislauf-System – keine «Pumpe». Es transportiert die Flüssigkeit auf zwei unterschiedliche Arten: Beim aktiven Transport leitet das System die Lymphe durch feine Muskelbewegungen der Gefässwände weiter. Diese kann man nicht beeinflussen. Wichtiger ist deshalb der passive Transport: Alltägliche Bewegungen pressen dabei die Lymphgefässe zusammen und befördern so die Flüssigkeit. Deshalb ist regelmässige Bewegung gut fürs Lymphsystem.

«Viele Betroffene gewöhnen sich an die Veränderungen, deshalb bleibt auch die Krankheit oft lange Zeit unerkannt.»
Denise Luchsinger

Lymphknoten als Teil des Immunsystems

Das Lymphsystem dient aber nicht nur dem Transport von Flüssigkeit, es ist auch Teil unseres körpereigenen Abwehrsystems. Denn besonders in den Lymphknoten sammeln sich weisse Blutkörperchen an, die Krankheitserreger bekämpfen. Deshalb sind geschwollene Lymphknoten stets ein Zeichen dafür, dass das Immunsystem aktiv ist. Bei einer Erkältung sind beispielsweise jene am Hals betroffen: Sie schwellen an, weil sie die Erkältungsbakterien unschädlich machen.

Dabei kann es vorkommen, dass sich die Lymphknoten entzünden, weil sie sich selbst mit einem Erreger anstecken. Vom betroffenen Lymphknoten aus kann sich die Entzündung im ganzen System ausbreiten. Betroffene müssen dann Antibiotika einnehmen, um den Infekt zu bekämpfen.

System gewinnt an Aufmerksamkeit

Trotz dieser vielfältigen Aufgaben stand das Lymphgefässsystem lange nicht im Fokus der Medizin. Nun hat man aber dessen Wichtigkeit erkannt. Denise Luchsinger, Fachärztin Innere Medizin und Angiologie am KSB, sagt: «Die Qualität der Diagnostik wird immer besser. Das ermöglicht uns, wenig bekannte Strukturen wie das Lymphgefässsystem besser kennenzulernen.» Ein weiterer Grund: Viele Krankheiten, die mit dem Lymphsystem in Verbindung stehen, schreiten langsam während Jahren fort. Luchsinger: «Betroffene gewöhnen sich deshalb an Veränderungen, und die Krankheit bleibt oft lange unerkannt.»

Wasser in den Beinen

Oft deuten geschwollene, schwere Beine darauf hin, dass das Lymphsystem nicht mehr richtig arbeitet. Dann sammelt sich Wasser im Gewebe an. Der Grund: Aus den feinsten Blutgefässen dringt Blutplasma ins Gewebe. Dort versorgt es die Zellen mit wichtigen Nährstoffen. Für den Abtransport dieser Flüssigkeit ist das Lymphsystem zuständig. Ist das System aber in seiner Funktion gestört, bildet sich eine Wassereinlagerung – es kann sich ein Lymphödem bilden.

Frauen sind davon häufiger betroffen als Männer. Der Grund dafür ist nicht bekannt. Es ist wichtig, früh mit der Therapie zu beginnen. Denise Luchsinger: «So kann man verhindern, dass sich das Gewebe langfristig verhärtet, infiziert oder dass nicht heilende Wunden entstehen.»

Lymphdrainage unterstützt das System

Mit dem Stemmerschen Zeichen kann man prüfen, ob man von einem Lymphödem betroffen ist: Wenn man die Haut über dem zweiten Zeh nicht abheben kann, ist das Stemmersche Zeichen positiv. Das heisst, wahrscheinlich handelt es sich um ein Lymphödem.

Regelmässige Bewegung und ein stabiles Gewicht unterstützen das Lymphsystem. Es gibt keine Medikamente, die es heilen. Das Einzige, was hilft: das System wieder in Bewegung bringen. Dazu eignet sich eine Lymphdrainage. Bei dieser Massage drücken die Physiotherapeuten sanft auf die Lymphbahnen. Auch Druckverbände und -strümpfe unterstützen das Lymphsystem bei seiner Arbeit.

Lipödem: Nicht das Gleiche wie Übergewicht

Auch der Krankheit Lipödem schenkt man erst seit einiger Zeit Beachtung. Oft wird sie mit Übergewicht verwechselt. Aber: Die Beine sind zwar bei beiden Krankheiten füllig und schwer, beim Lipödem handelt es sich aber um eine übermässige und krankhafte Fettgewebevermehrung. Anders als beim Übergewicht schmerzt die Haut; es bilden sich schon bei leichtem Anstossen blaue Flecken. Meistens helfen Sport und Diät nichts. Druckverbände, regelmässige, sanfte Bewegung und ein stabiles Körpergewicht können die Beschwerden lindern.

Lymphsprechstunde am KSB

Haben Sie Probleme mit geschwollenen, schweren Beinen? Vereinbaren Sie einen Termin in der Lip- und Lymphsprechstunde des KSB-Gefässzentrums. Im Lymphofit bietet das KSB zudem ein Bewegungstraining unter medizinischer Anleitung für Betroffene.






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