Illustration eines Elefanten mit einem verletzten Rüssel

Der Orthopäde und der Elefant

Der Orthopäde Patrick Vavken erklärt im Interview, wieso er schon mal einen Elefanten behandelt hat, was er für seine eigenen Gelenke tut und weshalb er am liebsten möglichst wenige Instrumente benutzt.

Was war Ihr kuriosester Fall?

Das ist eine längere Geschichte, aber es handelte sich um eine Rüsselverletzung bei einem Arbeitselefanten …

Können Sie das ausführen?

Während des Studiums habe ich unter anderem auch in Thailand gearbeitet. Über die Universität von Chiang Mai kam ich zu einem Praktikum bei einem Handchirurgen. Bei einem Ausflug in die Berge sind wir in einer Elefantenstation auf einen verletzten Arbeitselefanten gestossen und haben spontan unsere Hilfe angeboten. Arbeitselefanten ziehen sich nämlich oft Verletzungen am Rüssel zu, was normalerweise einem Todesurteil gleichkommt. Wir haben die rund zwanzig Zentimeter lange Rissquetschwunde also gesäubert, das tote Gewebe entfernt und die Wunde sauber vernäht. Nach drei Wochen war der Elefant wieder auf den Beinen.

Welches war Ihre erste Operation?

Als Student wollte ich die Welt sehen, und nicht nur die Wiener Uni-Klinik. So hat es mich an die Traumatologie eines öffentlichen Krankenhauses in New Orleans verschlagen. Dort war der Alltag geprägt von sozialer Ungerechtigkeit, Armut, Gewalt und Drogen- und Bandenkriegen. In der sprichwörtlichen Hitze des Gefechts hat es dann eines Tages mehr Verletzte als Hände gegeben. Ich habe mich vor einem stark blutenden Durchschuss des Unterschenkelknochens wiedergefunden. Diesen habe ich dann operativ versorgt.

Welches ist Ihre häufigste Operation?

Meine mit Abstand häufigste Operation ist die Gelenkspiegelung, in der Fachsprache Arthroskopie genannt. Dabei konzentriere ich mich vor allem auf die Arthroskopien von Ellbogen und Schulter. Glücklicherweise ist diese Operation auch meine liebste.

«Das wichtigste Instrument sind meine Ohren – Zuhören ist sehr wichtig.»
Patrick Vavken

Welches war Ihre schwierigste Operation?

Das ändert sich immer wieder. Jedes Jahr kommen neue schwere Operationen dazu. Zudem kommt es vor, dass ich erst mit neuem Wissen rückblickend verstehe, wie schwierig eine Operation wirklich war.

Welches ist Ihr wichtigstes Instrument?

Auch wenn es abgedroschen klingt: meine Ohren – Zuhören ist sehr wichtig. Mit den modernen Mitteln der Diagnostik können wir heute körperliche Probleme mit einer ungeheuren Auflösung feststellen. Aber das heisst nicht automatisch, dass es das ist, was meine Patienten stört. Wenn ich nun meinen Behandlungsplan beispielsweise nach MRT-Befunden ausrichte statt nach den Beschwerden der Patienten, ist das Risiko eines Therapieversagens und beidseitiger Frustration sehr hoch.

«Als orthopädischer Chirurg kann ich bei meinen Patienten eine unmittelbare Verbesserung erwirken.»
Patrick Vavken

Wie viele Instrumente brauchen Sie für eine Operation?

Möglichst wenig. Ich bin ein strikter Befürworter eines effektiven und zielgerichteten Arbeitsstils ohne Firlefanz. Letztes Jahr hat mir unsere OP-Technikerin schliesslich zum Scherz ein Sackmesser sterilisiert, weil sie meinte, mehr benutze ich eh nicht.

Was fasziniert Sie an Ihrem Beruf am meisten?

Als orthopädischer Chirurg kann ich in vielen Fällen eine direkte und unmittelbare Verbesserung für meine Patienten erreichen. Das ist für beide Seiten eine Freude und Zufriedenheit, die es nur in ganz wenigen anderen Berufen gibt.

Was tun Sie, damit Ihre eigenen Gelenke gesund bleiben?

Ich achte auf eine ausgewogene Ernährung und auf ein Minimum an sportlicher Aktivität, auch wenn das in meinem Beruf nicht immer einfach ist.

Wenn Sie könnten: Welche Sportart würden Sie den Gelenken zuliebe verbieten?

Trampolinspringen für Kinder hat mir leider schon viel zu viel Arbeit beschert. Die Verletzungsgefahr beim Trampolinspringen ist sehr hoch.

Welche Sportart würden Sie jedem verschreiben?

Yoga. Es trainiert sowohl die Muskeln des Rumpfs als auch der Extremitäten, hat kardiovaskuläre Wirksamkeit und wenig Risiken. Zudem kann man die Schwierigkeit gut an die eigenen Bedürfnisse anpassen. Es hilft Leuten abzuschalten und bringt ihnen bei, sich zu konzentrieren. Zudem lernen sie, sich mit sich selbst zu beschäftigen, statt gegen andere gewinnen zu wollen. Die Eintrittsschwellen, was Zeit, Raum, Infrastruktur und Equipment betrifft, sind minimal und für niemand ein Hindernis.

Die orthopädische Sprechstunde am Ärztezentrum Limmatfeld

Am Ärztezentrum Limmatfeld behandeln Patrick Vavken und sein Team Beschwerden und Verletzungen des Bewegungsapparates in der orthopädischen Sprechstunde.






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