Spaziergänger mit Hund im Wald.

Lithotripsie: Mit Stosswellen gegen die Schaufensterkrankheit

Jörg Dögel litt jahrelang unter belastungsabhängigen Beinschmerzen. Erfahren Sie im Video, wie die Stosswellentherapie Lithotripsie ihn von seinen Beschwerden befreite.

Hier geht’s direkt zum Video.

Vor fünf Jahren schaffte Jörg Dögel nur noch knapp 200 Meter am Stück. Danach verspürte er so starke Schmerzen in den Waden, dass er eine Pause einlegen musste. Die Beschwerden verschwanden sofort, wenn er sich nicht bewegte. Dies sei typisch für die periphere arterielle Verschlusskrankheit (PAVK), sagt Manuela Birrer, Leiterin Angiologie des Gefässzentrums am KSB. «Deshalb wird die Durchblutungsstörung im Volksmund auch Schaufensterkrankheit genannt. Denn die Betroffenen bleiben wie bei einem Schaufensterbummel nach einigen Metern immer wieder stehen.»

Die Schaufensterkrankheit vervierfacht das Risiko für einen Herzinfarkt

Jeder Fünfte über 65 Jahre erkrankt an der Schaufensterkrankheit. Männer etwas häufiger als Frauen. «Wir sehen allerdings lediglich die Spitze des Eisbergs, weil nur jeder vierte Betroffene tatsächlich Beschwerden hat», führt die Ärztin weiter aus. Dies sei extrem gefährlich. Denn: Menschen mit einer Durchblutungsstörung der Beine haben ein vierfach höheres Risiko, einen Herzinfarkt zu erleiden. Und ihr Risiko, einen Schlaganfall zu erleiden, ist zwei- bis dreifach erhöht.

«Wir sehen nur die Spitze des Eisbergs.»
Manuela Birrer, Leitende Ärztin Angiologie

Stark verkalkte Gefässe begünstigen die Schaufensterkrankheit

Die Ursache für die Schaufensterkrankheit sind verengte oder gar verschlossene Beinarterien. Mit der Überalterung der Gesellschaft, der Zunahme der Zuckerkrankheit und Nierenschwäche sehen wir uns immer mehr mit stark verkalkten Gefässen konfrontiert. Der Kalk, eine knochenähnliche Struktur, verengt das Beingefäss und schränkt den Blutfluss ein. Das kann schliesslich zu einer vollständigen Blockierung führen.

Gefässe erweitern, aber wie?

Um die verengte Stelle zu erweitern, führen Ärzte einen Ballon-Katheter in das betroffene Gefäss ein. Bei der klassischen Gefässaufdehnung riskiert man wegen des Kalks, dass das Weichgewebe des Gefässes beschädigt wird. Oder dass gar die Gefässwand einreisst. Auch ein Stent, eine röhrenförmige Gefässstütze zum Offenhalten der Gefässe, entfaltet sich bei starker Verkalkung oft nicht voll. Ist das Gefäss verkalkt, steigt das Risiko von unerwünschten Ereignissen während des Eingriffs. Dazu zählen etwa Gefässeinrisse. Auch die Langzeitergebnisse sind tendenziell schlechter. «Um eine klassische Ballondilatation durchzuführen, sind deswegen zunehmend andere Verfahren der Gefässvorbereitung notwendig», so Manuela Birrer.

Schaufensterkrankheit oder periphere arterielle Verschlusskrankheit (PAVK)

  • Durchblutungsstörung der Beinschlagader
  • Krampfartige Schmerzen beim Gehen
  • Im Ruhezustand lassen die Beschwerden nach
  • Im Anfangsstadium: Medikamente zur Blutverdünnung und Gehtraining
  • Bei starker Verkalkung: Ausschältechnik und neu Stosswellentherapie (Lithotripsie)

Was sind die Vorteile der Lithotripsie-Methode?

Das medizintechnische Unternehmen Shockwave Medical hat ein ähnliches Lithotripsie-Verfahren entwickelt wie jenes, das seit rund 30 Jahren bereits zur Zertrümmerung von Nierensteinen verwendet wird. Bei diesem werden mittels eines speziellen Ballon-Katheters im Gefäss Stosswellen freigesetzt. Sie bringen den Kalk in der Gefässwand zum Bersten. Dabei wirken die Stosswellen nur auf hartes Gewebe (Kalkablagerungen). Das weiche Umgebungsgewebe bleibt dabei unverletzt. Das könnten andere Verfahren nicht, betont die Ärztin. Denn wird der Kalk mit einem Bohrer oder Fräskatheter entfernt, brechen möglicherweise kleine Kalkteilchen ab und werden weggeschwemmt. An anderen Stellen können die Kalkteilchen Blockaden verursachen, oder es kann gar zu einem Einriss der Gefässwand kommen. Zudem ist das Stosswellenverfahren sehr einfach anwendbar.

So funktioniert das Lithotripsie-Verfahren

In einem speziellen Katheter ist ein Ballon integriert, in dem sogenannte Stosswellen-Emittoren (Sender) eingebaut sind. Der Ballon wird hälftig mit Kontrastmittel und Kochsalz gefüllt. Über eine kleine elektrische Entladung bei diesen Sendern kommt es zu einer Verdampfung der Flüssigkeit im Ballon, die zu sich schnell ausbreitenden Blasen führt. Diese zerplatzen innerhalb von Millisekunden und erzeugen damit eine Druckwelle. Die Druckwelle bricht schliesslich den Kalk auf. «So erreichen wir eine verbesserte Gefässcompliance», sagt Manuela Birrer. Das heisst, das Gefäss kann danach mit niedrigem Druck gut mittels des Ballons erweitert werden und ist dann auch optimal für eine Stentimplantation, wenn es diese überhaupt noch braucht, vorbereitet. Zudem sind mit diesem Verfahren Gefässverletzungen so gut wie ausgeschlossen.

Auch Jörg Dögel hat Manuela Birrer mit der Stosswellentherapie Lithotripsie erfolgreich behandelt. Seine Gefässe sind seitdem wieder durchgängig und die Schmerzen verschwunden. Besonders aber freut sich der 77-Jährige, dass er inzwischen wieder regelmässig mit seinem Hund spazieren gehen kann.

Wie die Stosswellentherapie die Verkalkungen bei der Schaufensterkrankheit löst und wie es Jörg Dögel nach der Behandlung geht, erfahren Sie im Video.

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Angiologie am KSB

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