Illustration von Ärzten, die DNA untersuchen

Wenn der Brustkrebs in den Genen liegt

Muss ich mir bei einem positiven Gentest die Brüste abnehmen lassen? Was haben Eierstöcke mit Brustkrebs zu tun? Und inwiefern kann der Gentest sogar für meinen Sohn nützlich sein? Cornelia Leo, Leiterin des interdisziplinären Brustzentrums am KSB, gibt Antworten.

Das Risiko, im Laufe ihres Lebens an Brustkrebs zu erkranken, beträgt für eine Frau rund 12 Prozent. Zudem kann eine Häufung von familiären Krebserkrankungen das Risiko weiter erhöhen. Doch nur ein kleiner Anteil von etwa 5 bis 10 Prozent ist tatsächlich genetisch bedingt.

Wenn eine Frau weiss, dass sie ein mutiertes Gen aufweist, kann sie frühzeitig Vorsorgemassnahmen einleiten. Eine drastische Massnahme wie bei Angelina Jolie, die sich beide Brüste und die Eierstöcke entfernen liess, bedingt ein positives Testresultat jedoch nicht automatisch. Cornelia Leo, Leiterin des interdisziplinären Brustzentrums am KSB, klärt hier über die häufigsten Irrtümer zum Gentest auf.

Häufige Fragen zum Thema Vererbung bei Brustkrebs

Bei einem positiven Gentest sollte man sich die Brüste entfernen lassen.

Nein. Wichtig ist, welcher Gendefekt gefunden wurde. Sogar beim Nachweis eines Gendefekts in den Genen BRCA1 oder BRCA2 gibt es verschiedene Möglichkeiten. So ist eine risikoreduzierende Operation wie die Entfernung der Brüste eine Option zur Senkung des Brustkrebsrisikos. Eine andere Möglichkeit ist der Ausbau der Vorsorgemassnahmen. Das heisst, bereits in jungen Jahren sind engmaschige Früherkennungsuntersuchungen angezeigt. Dazu gehörten regelmässige Selbstuntersuchungen der Brust, ärztliche Untersuchungen, Brust-MRI und Mammografie. Gemeinsam mit Ihrer behandelnden Ärztin oder Ihrem behandelnden Arzt sollten Sie besprechen, inwiefern in Ihrem Fall tatsächlich eine operative Massnahme sinnvoll ist.

Wenn nur zwei oder weniger Familienmitglieder an Brust- oder Eierstockkrebs erkrankt sind, macht ein Gentest keinen Sinn.

Nein. Dies sollte man individuell anschauen, da es auf die jeweilige Konstellation ankommt. Empfohlen wird der Test bereits, wenn eine Verwandte ersten Grades (Mutter, Tochter, Schwester) unter 40 Jahren an Brustkrebs erkrankt ist. Manchmal gibt es in einer Familie auch gar nicht drei weibliche Verwandte. Sofern beispielsweise die betroffene Mutter keine Schwestern oder Tanten hatte oder weibliche Familienmitglieder früh gestorben sind, kann ein Gentest sinnvoll sein. Neben der offiziellen Empfehlung für einen Gentest bei drei an Brustkrebs erkrankten Frauen (altersunabhängig) wird eine genetische Beratung auch bei folgenden familiären Gegebenheiten empfohlen:

  • zwei Frauen mit Brustkrebs vor dem 51. Lebensjahr
  • eine Frau mit Brustkrebs und eine mit Eierstockkrebs
  • eine Frau mit Eierstockkrebs
  • ein Mann mit Brustkrebs
  • eine Frau mit Brustkrebs vor dem 40. Geburtstag
  • eine Frau mit beidseitigem Brustkrebs und einer Ersterkrankung vor dem 51. Lebensjahr
  • eine Frau mit Brust- und Eierstockkrebs

    Vererbung der für Brustkrebs verantwortlichen BRCA1/2 Mutation im Stammbaum
    Die BRCA1/2 Mutation vererbt sich mit einer 50% Wahrscheinlichkeit auf die nächste Generation

Für Trägerinnen einer Mutation im Brustkrebs-Gen hat dies auch Auswirkungen auf ihren Sohn.

Ja, in diesem Fall wären allenfalls das Prostata- und das Brustkrebsrisiko auch bei den Söhnen erhöht. So beträgt das Brustkrebsrisiko bei BRCA-Mutation bei Männern 8 Prozent (Normalbevölkerung 0,05 Prozent). Damit liegt die Wahrscheinlichkeit, den Söhnen den Gendefekt zu vererben, bei 50 Prozent. Deshalb sind eine genetische Beratung und allenfalls ein Gentest auch beim Kind in jedem Fall sinnvoll, um im positiven Fall Massnahmen zur Früherkennung von Krebs schon in jungen Jahren zu erwägen. Allerdings kommt eine Testung frühestens ab der Volljährigkeit infrage. Dann entscheiden die Kinder selbst, ob sie dies wünschen oder nicht.

Bei einem positiven Ergebnis werde ich im Laufe des Lebens an Brustkrebs erkranken.

Nein. Denn ein positives Ergebnis ist keine Krebsdiagnose. Jedoch haben Frauen mit einer nachgewiesenen Veränderung im BRCA1- oder BRCA2-Gen ein Risiko von 60 bis 80 Prozent, im Laufe ihres Lebens an Brustkrebs zu erkranken. Hier sind engmaschige Früherkennungsuntersuchungen wie regelmässige Selbstuntersuchungen der Brust, ärztliche Untersuchungen, Brust-MRI ab dem 25. Lebensjahr und die jährliche Mammografie angezeigt. Auch vorbeugende Operationen können hier in Frage kommen. Das Risiko, im Laufe des Lebens an Eierstockkrebs zu erkranken, liegt bei 20 bis 40 Prozent. Da es jedoch keine ausreichend guten Vorsorgemassnahmen gibt, empfiehlt es sich, nach Abschluss der Familienplanung oder ab dem 40. Lebensjahr die Eierstöcke und Eileiter operativ entfernen zu lassen.

Bei einem Brustkrebs-Gentest bekomme ich auch Infos zu anderen Genen.

Ja. Es ist heute möglich, im Rahmen einer sogenannten Genpanel-Untersuchung verschiedene Brust- und/oder Eierstockkrebs-assoziierte Gene zu testen. Wichtig ist es, dass Sie vorher eine ausführliche Beratung an einem spezialisierten Zentrum erhalten und sich ausreichend Bedenkzeit lassen. Danach können Sie sich entscheiden, ob Sie nur die Gene BRCA1 und BRCA2 untersuchen lassen wollen oder – je nach Familiengeschichte – auch andere Gene miteinbeziehen wollen.

Wenn ich eine nachgewiesene Veränderung des BRCA1- oder BRCA2-Gens habe, ist die Wahrscheinlichkeit für Brust- und Eierstockkrebs auch bei meiner Tochter stark erhöht.

Jein. Denn das Risiko, dass Ihre Tochter oder Ihr Sohn das Gen geerbt hat, beträgt 50 Prozent. Hat Ihr Kind das Gen nicht geerbt, kann es von ihm auch nicht an Ihre Enkel weitervererbt werden.

Mein Gentest ist negativ. Somit brauche ich keine Früherkennungsmassnahmen mehr zu ergreifen.

Nein. Dass Sie in den untersuchten Genen keine Veränderung haben, senkt Ihr Risiko, an Brust- oder Eierstockkrebs zu erkranken. Dennoch kann bei familiärer Vorbelastung eine erbliche Ursache nicht vollständig ausgeschlossen werden, da auch heutzutage noch nicht alle Faktoren bekannt sind. Auch im Fall eines negativen Ergebnisses kann Ihre behandelnde Ärztin oder Ihr behandelnder Arzt Ihr Erkrankungsrisiko als erhöht einschätzen und Ihnen somit weiterhin regelmässige Früherkennungsuntersuchungen, wie z.B. die Mammografie, empfehlen.

Anteil erblich bedingter Erkrankungen an Brustkrebs
Nur ca. 5-10% der Brustkrebs Erkrankungen sind erblich bedingt.

Genetische Beratung am KSB-Brustzentrum

Ist eine Verwandte von Ihnen jung an Brustkrebs erkrankt, oder gibt es in Ihrer Familie mehrere Fälle von Brust- oder Eierstockkrebs? Gern informieren wir Sie über eine genetische Beratung.

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