Psychoonkologie: psychologische Hilfe bei Krebs

Krebs macht auch die Seele krank

Krebspatienten leiden nicht nur an ihren körperlichen Symptomen, sie landen oft auch auf einer Achterbahn der Gefühle. Die Psychoonkologin Claudia Matter erzählt, wie sie Patienten im Umgang mit der Krankheit unterstützt.

Claudia Matter sorgt gemeinsam mit ihren zwei Kolleginnen für das Seelenheil von Krebspatienten am KSB. Sie hat einen langen Weg zur Psychoonkologin hinter sich: Im Erstberuf arbeitete sie als Pflegefachfrau zehn Jahre im Unispital Zürich, unter anderem auf der Palliativ-Abteilung. Dann entschied sie sich für ein Studium. Im Anschluss an das fünfjährige Psychologiestudium absolvierte sie eine Ausbildung zur Psychotherapeutin, die fünf Jahre dauert. «Daraufhin suchte ich nach einer Möglichkeit, die beiden Berufe zu verbinden», sagt Claudia Matter. Es folgte eine zweijährige interprofessionelle Weiterbildung in Psychoonkologie von der Krebsliga Schweiz, bei der man speziell für die Therapie von Krebspatienten ausgebildet wird. «Seit drei Jahren bin ich nun bei den Psychiatrischen Diensten Aargau (PDAG) als Psychoonkologin angestellt und arbeite am KSB», sagt Claudia Matter. Die langjährige Erfahrung in Klinischer Psychologie, Psychotherapie und Psychoonkologie ermöglicht es ihr und ihrem Team, die Patientinnen und Patienten bei der Bewältigung ihrer Krankheit zu unterstützen.

«Wir müssen flexibel sein»

Claudia Matter und ihre beiden Kolleginnen betreuen sowohl stationäre als auch ambulante Patienten. «Bei stationären Patienten führen wir im Schnitt zwei Gespräche, bei ambulanten können es auch vier sein», erklärt sie. Vor allem bei stationären Patienten ist Flexibilität gefragt. «Das ist nicht immer einfach, da im Spitalalltag vieles passieren kann, was wir nicht planen können.» Viel Einfühlungsvermögen ist nötig, wenn es einem Patienten von einem Tag auf den anderen plötzlich schlechter geht. «Das betrifft dann auch die Angehörigen, die wir mitbetreuen. Deshalb bieten wir Einzelgespräche oder Gespräche mit Patientinnen und Angehörigen an.» Die Sitzungen an sich sind nicht planbar. Daher gilt es auch hier, flexibel zu sein: Der Fokus liegt immer auf der körperlichen und psychischen Entwicklung seit der letzten Sitzung – ausgehend davon entwickelt sich das Gespräch.

Psychoonkologie bei Brustkrebs

2017 nahmen 316 Patientinnen und Patienten die psychoonkologischen Angebote in Anspruch, 72 von ihnen hatten in diesem Jahr die Diagnose Brustkrebs erhalten. Bei Brustkrebspatientinnen besteht ein enger Austausch mit der Gynäkologie: In Zusammenarbeit mit den Patientenberaterinnen BCCN (Breast and Cancer Care Nurses) wird ein Erstkontakt mit den stationär angemeldeten Patientinnen hergestellt, bei denen sie ausführlich von ihrer Gefühlslage und ihren Anliegen und Wünschen an die Psychotherapie sprechen. «Die Patienten wollen ihre Angehörigen oftmals nicht zusätzlich belasten, also sind wir für sie die neutrale Instanz.» Nicht immer braucht es ein zweites Gespräch. Die Länge der Therapie wird gemeinsam mit den Patientinnen bestimmt. Vielfach werden stationäre Patienten zu ambulanten: Claudia Matter und ihr Team bieten auch an, die therapeutischen Gespräche nach der körperlichen Genesung fortzuführen, damit die Patientinnen und Patienten nicht den Therapeuten wechseln müssen.

Der Umgang mit der Belastung

Claudia Matter und ihre Kolleginnen legen hohen Wert darauf, besonders schwierige Patientensituationen im Team zu besprechen. «Wir tauschen uns aus und unterstützen uns gegenseitig. So können wir mit der Belastung besser umgehen.» Um den Kopf frei zu kriegen, hilft ihr auch Bewegung: «Deshalb gehe ich oft schwimmen und mache viel Sport.» Gerade bei Langzeitpatienten sei es oft nicht einfach, die emotionale Distanz zu wahren. «Es ist schwierig, dabei zuzusehen, wie sich die Gesundheit verschlechtert. Es gibt schon Momente, wo ich mich für einige Minuten zurückziehe», erzählt Matter. Sie betont jedoch, dass der Beruf belastender klingt, als er ist: «Wir lachen auch viel mit den Patienten.»

Verbesserung der Lebensqualität

Auch wenn ihr Job sie ab und an belastet und sie manchmal das Gefühl hat, nicht genug ausrichten zu können – die Patienten nehmen es anders wahr. «Ich erinnere mich an eine Patientin, die mich nach dem Umzug der Psychoonkologie in den Kubus mit einem Kuchen zur Einweihung besucht hat», sagt Claudia Matter. Die Patientin erzählte voller Freude, dass das Backen seit langem einer ihrer schönsten Momente gewesen sei, weil sie dafür lange keine Kraft hatte. «Was gibt es Schöneres, als zu sehen, dass man mit seiner Arbeit etwas bewirken kann?» – und gibt damit die Antwort gleich selbst.

Angebot des KSB-Brustzentrums

Das interdisziplinäre Brustzentrum am KSB bietet den Patientinnen Unterstützung – von der Selbsthilfegruppe über Physiotherapie bis zum psychoonkologischen Dienst.Das Angebot kann ambulant oder stationär genutzt werden. Die Grundversicherung der Krankenkasse übernimmt die Kosten.

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