Illustration eines Mannes mit einem schmerzenden Leistenbruch

Die Leiste – die Schwachstelle der Männer

Was haben Fussballtrainer Hakan Yakin, Schauspieler Walter Andreas Müller und «Kommissar Rex»-Darsteller Tobias Moretti gemeinsam? Sie alle hatten schon mal einen Leistenbruch. Dr. Sebastian Soppe erklärt, wieso es vor allem Männer trifft und wann sie handeln müssen.

Die Bezeichnung Leistenbruch mag zunächst ein wenig irreführend sein. Denn bei «Bruch» denken die meisten von uns wohl an ein Knacken und gebrochene Knochen. Knacken tut beim Leistenbruch (Inguinalhernie) jedoch nichts. Vielmehr treten dabei Eingeweide durch den Leistenkanal aus dem Bauchraum aus und sind als Ausstülpungen sicht- und tastbar.
Bei Männern können zudem mässige bis starke Schmerzen bis in den Hodensack, bei den seltener betroffenen Frauen bis in die Schamlippen ausstrahlen. Nicht immer macht sich ein Leistenbruch jedoch durch Schmerzen bemerkbar; manchmal spürt man lediglich ein leichtes Ziehen in der Leistengegend.

Vor allem bei Sportlern werden die Beschwerden deshalb oft einer muskulären Überlastung zugeschrieben. Mit unangenehmen Folgen, erklärt Sebastian Soppe, Chirurg und Hernienexperte am KSB: «Wird ein Leistenbruch nicht erkannt und behandelt, können Teile des Darms einklemmen und absterben. Dies stellt eine lebensgefährliche Komplikation dar, die umgehend operiert werden muss.»

Männer anfälliger für Leistenbrüche

Zu Sebastian Soppes Patienten zählen vor allem Männer. «Ein Leistenbruch tritt bei ihnen viermal häufiger auf als bei Frauen.» Insgesamt trifft es mehr als jeden vierten Mann einmal im Leben, im Vergleich zu nur drei Prozent bei den Frauen.

Die Gründe dafür liegen in der männlichen Anatomie. Der Leistenkanal ist eine röhrenförmige, vier bis fünf Zentimeter lange Verbindung zwischen Bauchhöhle und äusserer Genitalregion. Er entsteht während der embryonalen Entwicklung: Bei männlichen Embryos durch den Abstieg der Hoden nach unten, bei Mädchen ist dies der Weg für das Mutterband, das mit der Gebärmutter verbunden ist. Deshalb ist der Leistenkanal bei Männern etwas weiter und damit anfälliger als bei Frauen.

Doch welche Auslöser führen am Ende dazu, dass die Patienten die Hernien-Sprechstunde am KSB oder gar den Notfall aufsuchen? Soppe: «Das Heben schwerer Lasten, starkes Pressen bei chronischer Verstopfung, Husten oder starke sportliche Belastung – all dies sind typische Ursachen eines Leistenbruchs.»

Leistenbruch bei Geburt

Manchmal trifft es aber auch die ganz Kleinen, besonders männliche Säuglinge und Frühgeborene: «Immerhin bis zu vier Prozent der Neugeborenen kommen mit einem Leistenbruch zur Welt.» Ursache ist hier eine fehlende Rückbildung einer vor der Geburt bestehenden Ausstülpung des Bauchfells in den Leistenkanal. Bemerkbar macht sich dies in Form einer Schwellung in der Leistengegend oder am Hodensack, was Eltern meist beim Baden oder Wickeln ihres Babys entdecken. Was dann? Selbst wenn die Ausstülpung in vielen Fällen wieder verschwindet, sollten die Eltern das Kind zum Kinderarzt bringen. Falls es vor Schmerzen schreit, sehr unruhig ist oder erbricht: ab zum Kinderarzt oder direkt ins Spital. Denn in solchen Fällen ist möglicherweise ein Teil des Darms – oder bei Säuglingsmädchen der Eierstock – eingeklemmt. Meist löst nur eine Notfalloperation das Problem.

Sichere Diagnose

Bei Erwachsenen diagnostizieren die Ärzte den Leistenbruch in der Hernien-Sprechstunde. «Hier führen wir zunächst die sogenannte Anamnese durch. Das heisst, wir stellen gezielte Fragen zur Krankengeschichte und zu möglichen Auslösern», erklärt Soppe. Danach tastet der Arzt die Leistenregion des Patienten ab, um eine mögliche Schwellung aufzuspüren. Zudem prüft er, ob sich der Inhalt der Hernie in den Bauchraum zurückschieben lässt. Und: «Wenn die körperliche Untersuchung für eine eindeutige Diagnose nicht ausreicht, können auch bildgebende Verfahren eingesetzt werden.» Dann folgen also radiologische Untersuchungen.

Therapie: abwarten oder operieren?

Bereitet ein Leistenbruch keine Schmerzen und vergrössert er sich auch nicht, kann – unter regelmässiger ärztlicher Beobachtung – zunächst abgewartet werden. «Wir sprechen dabei vom Watchful Waiting.» In den meisten Fällen ist jedoch laut Soppe eine Operation nötig: «Wir behandeln Leistenbrüche in der Regel mittels der sogenannten Schlüssellochtechnik.»

Diese minimalinvasiven Eingriffe, durch die grössere Hautschnitte und längere Spitalaufenthalte vermieden werden, sind eine Spezialität des KSB. Nicht von ungefähr ist es das einzige Schweizer Spital, das von der Deutschen Gesellschaft für Allgemein- und Viszeralchirurgie das Zertifikat «Referenzzentrum für Hernien-Chirurgie» erhalten hat. So ehrenvoll dieses Gütesiegel ist – ein Aspekt ist aus Patientensicht noch wichtiger: Die Komplikationsrate bei Leistenbrüchen liegt am KSB weit unter dem Durchschnitt.

Die Hernien-Sprechstunde

Das Kantonsspital Baden gilt schweizweit als eines der Zentren mit der grössten Erfahrung im Bereich Leistenbrüche. Erfahren Sie mehr über die Leistungsangebote oder vereinbaren Sie einen Termin: mail@bauch.ksb.ch






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