Symbolbild einer Frau mit dem Karpaltunnelsyndrom

Karpaltunnelsyndrom: Stau im Handgelenk

Schmerzen im Arm, die Finger kribbeln: Das Karpaltunnelsyndrom schränkt Betroffene stark im Alltag ein. Ein früher Therapiebeginn verhindert bleibende Schäden.

Kein Durchkommen mehr beim Bareggtunnel, der Verkehr steht still. So muss man sich das Karpaltunnelsyndrom (KTS) vorstellen: Nerven und Sehnen führen wie Strassen durch einen Tunnel vom Unterarm in die Hand. Ist der Durchgang verengt, gelangen die Nervenimpulse nicht mehr oder nur noch spärlich in die Hand und die Fingerspitzen. Das KTS ist deshalb ein Nerven-Engpass-Syndrom. Es gilt als wahrscheinlich häufigste Erkrankung des Nervensystems.

Und genau wie im Strassenverkehr führt auch die Verengung des Tunnels im Handgelenk zu Problemen: Schmerzen und Kribbeln in Daumen, Zeige- und Mittelfinger sowie in der Handfläche. Die Schmerzen können bis in den Oberarm ausstrahlen.

Ursachen unklar

Oft ist unklar, weshalb sich ein KTS entwickelt. Es wird durch alles begünstigt, was den Raum im Handgelenk einengt: Rheumatische Erkrankungen wie Gicht können das Gewebe im Handgelenk anschwellen lassen und so den Karpaltunnel verengen. Auch Schwellungen bei Verletzungen, Tumore oder repetitives, lang andauerndes Arbeiten mit stark geknickten Handgelenken können ein KTS verursachen. Die Wechseljahre gelten zusätzlich als Risiko. Und auch in der Schwangerschaft kann es auftreten. Denn mit der hormonellen Umstellung lagert der Körper Wasser im Gewebe ein. Das beansprucht Platz und verengt den Tunnel. Frauen sind deshalb ungefähr doppelt so häufig von einem KTS betroffen als Männer.






Die Beschwerden nehmen vor allem in starrer, gebeugter Stellung zu – beispielsweise beim Velofahren oder beim Arbeiten am Computer. Die Schmerzen können sich im Verlauf der Erkrankung in den Unterarm und bis zur Schulter ausbreiten. Oft leiden Betroffene an schmerzhaftem Einschlafen der Hand während der Nacht. Das gibt bereits einen klaren Hinweis für die Diagnose. Mit elektrophysiologischen Messungen bestätigt der untersuchende Neurologe dann den Verdacht. Mit diesen Messungen prüft er, ob die Nervenimpulse durch die Verengung gelangen. Aus den Daten kann man ableiten, wie stark der Nerv eingeengt ist.

Therapie ohne Operation

Das KTS behandelt man zunächst meist konservativ. Anita Tanner, Leitung Ergotherapie am KSB, sagt: «Je früher man mit der Therapie beginnt, desto grösser sind die Erfolgsaussichten.»
In der Nacht knickt man das Handgelenk oft ungewollt ab. Die Schmerzen verstärken sich dann so stark, dass Betroffene davon aufwachen. Tanner: «Deshalb hilft eine Handgelenksmanschette oft schon viel.» Aber auch tagsüber sollte man das Handgelenk schonen und eine Überlastung sowie eine abgeknickte oder gebeugte Haltung des Handgelenks vermeiden. Zudem kann Ergotherapie helfen, Fehlbelastungen zu erkennen und gelenkschonende Bewegungen zu trainieren. Wenn diese Massnahmen die Schmerzen nicht lindern, können Kortison oder entzündungshemmende Medikamente helfen.

Tunnel operativ öffnen

Eine Operation wird nötig, wenn konservative Massnahmen keine Linderung bringen. Denn wenn Nerven über längere Zeit abgedrückt werden, sind bleibende Schäden möglich. Der Tunnel ist auf drei Seiten von Knochen begrenzt, auf der Beugeseite des Handgelenks durch ein Band aus Bindegewebe. Bei einer Operation durchtrennt der Handchirurg dieses Band. So erhalten die Nerven den nötigen Platz zurück. Nach der Operation sollten die Betroffenen die Hand während dreier Wochen schonen, eine Ruhigstellung danach ist nicht mehr nötig.

Karpaltunnelsyndrom vs. Sehnenscheidenentzündung

KTS und Sehnenscheidenentzündung sind nicht das Gleiche: Während beim KTS Nerven abgedrückt werden, ist bei einer Sehnenscheidenentzündung eine Sehnenscheide entzündet. Sehnenscheiden umhüllen Sehnen dort, wo sie mit erhöhter Spannung über Gelenke laufen, und schützen sie so vor Reibung. Wird eine Sehne zu stark belastet, kann sich die Sehnenscheide entzünden. Oft betrifft es jene am Handgelenk. Die Entzündung wird verursacht durch anhaltende, monotone Bewegungen, wie Arbeiten am Computer.

Tipps: So können Sie einem Karpaltunnelsyndrom vorbeugen

  • Die Handmuskulatur und das Handgewölbe kräftigen.
  • Den Schreibtisch passend einrichten: Unterarme, Handgelenke und Hände sollten eine gerade Linie bilden.
  • Repetitive Bewegungen vermeiden.

Umfassende Behandlung

Handverletzungen schränken das alltägliche Leben stark ein. Eine gute Therapie ist deshalb wichtig. In der Handtherapie am KSB arbeiten Ergotherapeuten, Handchirurgen und Orthopäden interdisziplinär zusammen und bieten somit eine umfassende Behandlung.






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