Eine Patientin wird narkotisiert.

Narkose-FAQs: Hier kriegen Sie eins mit der Wissenskeule!

Fast jeder zweite Patient fürchtet sich vor einer Vollnarkose. Aber was passiert dabei überhaupt? Weshalb darf man vor einer OP nichts essen oder trinken? Welche Risiken verbergen sich hinter einer Narkose? Hier finden Sie Antworten.

Mit einer stinkenden Socke, einem alten Käse oder klassisch mit der Keule eins übergebraten: In der humoristischen Unterhaltung – sei es im Film oder im Comic – gibt es verschiedene Möglichkeiten, jemand ins Land der Träume zu schicken. In der Medizin-Realität ebenso, wenn auch etwas unspektakulärer und – im Vergleich zur Keule – sogar mit weniger schmerzhaften Nebenwirkungen. Die Anästhesie hat sich in den letzten Jahrzehnten markant weiterentwickelt und ist zu einer sicheren medizinischen Teildisziplin geworden. Das Wichtigste im Überblick.

FAQs zu Narkose und Anästhesie

Was ist die Bedeutung von Anästhesie und Narkose?

Beide Begriffe stammen aus dem Griechischen. Anästhesie bedeutet Empfindungslosigkeit respektive Betäubung. Narkose beschreibt als Wort einen schlafähnlichen Zustand.

Welche Anästhesiearten gibt es?

Allgemeinanästhesie (Vollnarkose)

Der Patient wird in einen tiefen Schlaf versetzt. Das Bewusstsein und die Schutzreflexe sind ausgeschaltet, die Muskeln entspannt. Während dieses Zustands muss der Patient beatmet werden. Vollnarkosen werden bei bestimmten Eingriffen angewendet – zum Beispiel am Hirn oder am Herzen, am Bauch oder an der Lunge, wo regionale Anästhesien nicht möglich sind oder nicht ausreichen. Oder wenn einem Patienten eine sehr lange Operation im Wachzustand nicht zugemutet werden kann. Auch Kinder und Säuglinge werden in der Regel unter Vollnarkose operiert, da die Wahrscheinlichkeit hoch ist, dass sie während eines Eingriffs die Geduld verlieren oder in Panik geraten.

Regionalanästhesie oder Lokalanästhesie (Teilnarkose)
Bei der Regionalanästhesie wird vor einem Eingriff die betroffene Körperregion betäubt. Der Patient ist bei Bewusstsein, hört, sieht oder riecht, was gerade an seinem Körper passiert – natürlich ohne etwas zu spüren. Auf Wunsch kriegt er ein Schlafmittel.

Bei der Lokalanästhesie spritzt der Anästhesist ein Schmerzmittel direkt an die Stelle, die behandelt wird. Viele kennen das vom Zahnarzt, der exakt die Stelle betäubt, wo der Eingriff stattfindet. Manchmal wird auch an die zu betäubende Stelle ein Schlauch (Katheter) gelegt. Das hat den Vorteil, dass Mittel auch noch nach der Operation zur Schmerzbekämpfung gegeben werden können und nicht Medikamente in den Kreislauf gespritzt werden müssen.

Man kann Teil- und Vollnarkosen auch gleichzeitig anwenden. Der Vorteil: Durch die Teilnarkose werden weniger Mittel in den Kreislauf gegeben, und der Patient schläft während der ganzen Operation.

Welche Vor- und Nachteile haben die Anästhesiearten?

Allgemeinanästhesie (Vollnarkose)
Vorteile: Der Patient bekommt vom ganzen Eingriff nichts mit. Da die Reflexe ausgeschaltet sind, erleichtert die Vollnarkose auch die Arbeit der Chirurgen.
Nachteile: Vor allem bei spontanen Eingriffen bei nicht nüchternen Patienten besteht die Gefahr, dass während der Narkoseeinleitung Mageninhalt in die Lunge kommt, was lebensbedrohlich sein kann.

Regionalanästhesie oder Lokalanästhesie (Teilnarkose)
Vorteile: Da der Patient bei Bewusstsein ist, behält er eine gewisse Kontrolle über seinen Körper, was viele Menschen beruhigt. Zudem kann der Patient die Operation auf Wunsch mitverfolgen und in aller Regel recht schnell nach der Operation wieder essen und trinken.
Nachteile: Bei Anästhesien in der Nähe des Rückenmarks können kurzzeitig Lähmungserscheinungen auftreten, was den Patienten verunsichern kann.

Welche Anästhetika kommen bei einer Narkose zum Einsatz?

Je nach Narkoseart werden folgende Anästhetika einzeln oder kombiniert intravenös verabreicht.

  • Hypnotika: Schlafmittel, die im Zentralnervensystem wirken und den Patienten in einen Tiefschlaf versetzen.
  • Analgetika: Schmerzmittel, die die Schmerzrezeptoren blockieren.
  • Muskelrelaxantien: sorgen dafür, dass die Muskulatur erschlafft.

Es gibt auch Inhalationsanästhetika, die über die Atmung in den Körper gelangen und ebenfalls dafür sorgen, dass der Patient das Bewusstsein verliert, die Muskeln erschlaffen und das Schmerzempfinden teilweise ausgeschaltet ist.

Welche Anästhesierisiken können auftreten?

Jeder Eingriff am Körper birgt gewisse Risiken. Auf die Anästhesie bezogen, kann es beispielsweise zu Übelkeit und Erbrechen kommen, zu allergischen Reaktionen, Nervenschäden, Juckreiz, Kältezittern, Blutergüssen oder Rückenschmerzen. Auch Schluckbeschwerden oder Gedächtnisstörungen kommen vor (bei der Vollnarkose) sowie Kopfschmerzen (bei Teilnarkosen) oder Blutdruckabfall. Viele dieser Beschwerden und Risiken sind mittlerweile einfach zu behandeln und in der Regel relativ schnell wieder in den Griff zu kriegen.

Was ist unter einer Narkoseplanung zu verstehen?

Die optimale Narkoseplanung lässt sich am Beispiel der Vollnarkose grob gesagt in 5 Phasen einteilen.

Vor der Narkose
In der Anästhesiesprechstunde werden sämtliche Fragen des Patienten beantwortet und Abklärungen zum allgemeinen Gesundheitszustand getroffen: Grösse, Gewicht, Blutdruck, Allergien, Medikamente, Zustand der verschiedenen Organsysteme. Ohne Einverständniserklärung zur Narkose seitens des Patienten findet kein geplanter/elektiver Eingriff statt. Ist der Patient nicht ansprechbar ­– beispielsweise nach einem Unfall –, entscheiden die Ärzte selbstständig im vermuteten Sinne des Patienten.

Einleitung der Narkose
Auf Wunsch bekommt der Patient bereits auf der Station ein Beruhigungsmittel verabreicht. Die Einleitung der Narkose dauert unterschiedlich lange, je nachdem, wie viele Katheter gelegt werden müssen (in Venen, Arterien, Luftröhre und Harnröhre). Dabei wird der Patient ans Monitoring angeschlossen, das zur Überwachung von Herz-Kreislauf-Funktionen und der Sauerstoffversorgung dient. Über die Venenkanüle verabreicht der Anästhesist ein Opiat zur Schmerzausschaltung und Stressreduktion, gefolgt von einem Schlafmittel und einem Medikament zur Muskelentspannung. Bis die Wirkung aller Medikamente eintritt, beatmet der Anästhesist den Patienten mit einer Handpumpe, dann setzt er den Beatmungsschlauch ein. Der Eingriff kann stattfinden.

Während der Narkose
Der Patient wird durchgehend mit einem Sauerstoff-Luft-Gemisch beatmet. Via Monitoring beobachtet der Anästhesist die Organfunktionen und die Narkosetiefe. Bei Bedarf führt er weitere Schlaf- und Schmerzmittel zu.

Ausleiten der Narkose
Ist der Eingriff abgeschlossen und keine weitere Nachbeatmung nötig, schliesst der Anästhesist die Zufuhr der Narkotika ab. Schmerzmittel hingegen werden weiter verabreicht und sorgen für ein schmerzfreies Aufwachen. Die Narkotika bauen sich im Körper des Patienten laufend ab, Bewusstsein, Spontanatmung, Schutzreflexe und Wahrnehmung treten wieder ein. Sobald die Situation stabil ist, wird der Patient in den Aufwachraum verlegt.

Postoperative Nachbetreuung
Der Patient wird während mehrerer Stunden auf der Aufwachstation überwacht. Die Dauer dieses Aufenthalts hängt von Befinden, Kreislauf, Atmung oder Komplikationen im Zusammenhang mit dem Eingriff ab. Grundsätzlich können viele Patienten kurze Zeit nach der OP bereits wieder etwas essen oder trinken. Je nach Eingriff werden die Patienten anschliessend und mit entsprechenden Medikamenten nach Hause entlassen, in ein Krankenzimmer oder auf die Intensivstation verlegt.

Sind Narkosen gefährlich?

Nein, der Eingriff an sich kann gefährlich oder kompliziert sein, die Anästhesie hingegen eher nicht. Ein narkotisierter OP-Patient wird während des Eingriffs laufend überwacht – sei es vom Anästhesisten selber oder auch durch moderne Geräte. Sofern die richtigen Vorabklärungen getroffen wurden, kann eine Anästhesie keine Schäden anrichten. Lebensbedrohliche Nebenwirkungen sind selbst weltweit gesehen sehr selten.

Und warum darf man vor einer Operation eigentlich nichts essen und trinken?

Da der Körper bei einer Vollnarkose in einem künstlichen Tiefschlaf ist, sind auch Schluck- und Hustreflexe ausgeschaltet. Somit besteht die Gefahr, dass Mageninhalt in den Rachen gelangt und eingeatmet wird, was wiederum eine Lungenentzündung verursachen kann. Deshalb muss der Patient «nüchtern» zur OP. Heisst: sechs Stunden vor dem Eingriff nichts mehr essen, zwei Stunden davor nichts mehr trinken.

Anästhesie am KSB

Auch bei der Anästhesie hat Patientensicherheit höchste Priorität. In der Anästhesiesprechstunde können Sie direkt nach dem Gespräch bei Ihrem Operateur mit dem Anästhesisten die für Sie beste Anästhesie besprechen.






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