Narkose für Kinder: Teddybär mit Pflaster und Fieberthermometer

Kindernarkose: Mit dem Teddy ins Reich der Träume

Muss das Kind operiert werden, machen sich Eltern oft Sorgen. Wie die Ärzte den kleinen Patienten die Angst vor der Narkose nehmen und warum die Anästhesie am KSB nach Erdbeere, Vanille und Schoggi duftet, erläutert Florian Rossmanith, Oberarzt Anästhesie.

Am KSB besteht das Anästhesieteam für junge Patienten nicht nur aus Kinderanästhesisten und der Anästhesiepflege – bei Ihnen gehört auch ein Bär zum Team?

Genau. Unser Kindernarkose-Teddybär – ausgestattet mit OP-Maske und OP-Haube – ist vor und während des Spitalaufenthalts dabei. Die Kinder lernen ihn erstmals beim Aufklärungsgespräch kennen. Am Tag der OP treffen sie erneut auf den Teddy. Er bleibt die ganze Zeit bei ihnen und «schaut», dass alles normal abläuft und es den Kindern gut geht.

Wie läuft ein Aufklärungsgespräch zur Narkose bei Kindern ab?

Zum einen erklären wir den Eltern und Kindern, natürlich altersentsprechend, den Ablauf der Anästhesie und gehen auf ihre Fragen ein. Dies hilft meist bereits, mögliche Ängste abzubauen. Ausserdem untersuchen wir das Kind. Einen Teil der Aufklärung übernimmt bei uns auch Bobby Bär. Nicht nur durch seine physische Anwesenheit als Kuscheltier, sondern auch durch das Büchlein «Bobby Bär wird operiert». Diese Geschichte dreht sich um den Spitalaufenthalt, die Narkose und die Operation. Ziel ist es, einen spielerischen Umgang mit der fremden, unwirklichen und speziellen Spitalwelt zu erlangen. Am Ende freuen sich die Kinder immer sehr, dass sie das Büchlein mit nach Hause nehmen dürfen. Ausserdem haben die Kinder bei uns die Qual der Wahl …

Was dürfen die Kinder sich aussuchen?

Wir geben ihnen drei Duftstifte. An diesen dürfen sie riechen und sich einen Geruch aussuchen, mit dem wir ihre Beatmungsmaske für die Narkose einreiben. Erdbeere, Vanille oder Schoggi? Das ist meine Lieblingsfrage im Aufklärungsgespräch. (Lacht.)

Das Anästhesie-Kinderteam

Alle Anästhesisten, die am KSB regelmässig mit Kindern arbeiten (das sogenannte Anästhesie-Kinderteam), haben in ihrer Ausbildung zum Facharzt bereits viel mit Kindern gearbeitet. Zudem waren sie noch mindestens ein Jahr während oder nach der Facharztausbildung an einem «grossen» Kinderspital tätig. Dort haben sie sich grundlegende praktische und theoretische Kenntnisse in der Kinderanästhesie angeeignet.

Klingt fast wie am Glacestand. Wofür würden Sie sich entscheiden?

Mein Favorit ist Erdbeere. Und auch die meisten Kinder mögen Erdbeere am liebsten.

Welche weiteren Fragen stellen Sie den Kindern vor der Narkose?

Bei Schulkindern erkundigen wir uns auch nach Wackelzähnen. Diese haben zwar keinen direkten Einfluss auf die Anästhesie. Allerdings kann sich bei der Sicherung des Atemwegs in Vollnarkose ein lockerer Zahn lösen und dann in die Luftröhre oder Speiseröhre gelangen. Daher sollten wir auf jeden Fall über lockere Zähne Bescheid wissen.

Neben der Narkose selbst fürchten sich manche Kinder wohl auch vor dem Legen des Zugangs in die Vene? Sicherlich ein unangenehmer Piks?

In der Anästhesie-Sprechstunde geben wir ihnen bereits ein sogenanntes EMLA-Pflaster mit. Dieses Pflaster enthält eine Emulsion mit einem lokalen Betäubungsmittel. Damit wird die Punktionsstelle betäubt. Dieses Pflaster sollen die Eltern am OP-Tag bereits vor Abfahrt ins Spital auf die vorgesehenen Hautstellen kleben, überwiegend auf die beiden Handrücken. Meist spüren die Kinder dann nur noch einen kleinen Druck an der Punktionsstelle, wenn die Infusion gelegt wird.

Heute ist selbst der Piks fast schmerzlos. Früher wurden hingegen Neugeborene ganz ohne Narkose operiert. Wie kam es dazu?

Wenn ich die medizinische Fachliteratur der vergangenen Jahrzehnte lese, stellen sich mir die Nackenhaare auf. Dieses Vorgehen war tatsächlich bis in die 1970er-/1980er-Jahre vielerorts üblich. Grob zusammengefasst ging man damals davon aus, dass Neugeborene in den ersten drei Monaten keine Schmerzen verspüren würden. Man deutete das Schreien als Ausdruck von Unwohlsein, nicht aber als Schmerz. Diese Annahme ist nach heutigem Kenntnisstand natürlich völlig falsch und mehrfach widerlegt.

Vor der OP müssen die Patienten nüchtern sein. Gerade quengelnde Kleinkinder verlangen häufig nach Essen oder Trinken. Was raten Sie Eltern in solch einer Situation?

Kinder können bis zwei Stunden vor Narkosebeginn klare, auch gesüsste Flüssigkeit wie Tee oder Wasser trinken. Erfahrungsgemäss reicht das aus. Ausserdem werden sie, wenn immer möglich, gleich am Morgen oder spätestens am frühen Vormittag operiert. So vermeiden wir längere Wartezeiten und Hunger.

Manchmal heben schon ein Lutschbonbon oder Kaugummi die Laune …

Ein quengelndes Kind mit einem Bonbon oder Kaugummi beruhigen zu wollen, ist nicht gut. Denn das Lutschen oder Kauen vor Narkosebeginn stimuliert die Bildung von Magensäure. Das ist vor Narkosen unbedingt zu vermeiden.

Wie können Eltern ihr Kind am besten vor der Narkose unterstützen?

Ich würde den Kindern zuhören, ihre Bedenken ernst nehmen und ihnen erklären, dass nichts Schlimmes passieren wird. Manchmal hilft es auch, von eigenen Erfahrungen zu berichten – in diesem Fall natürlich nur Positives. Oder vielleicht die Narkose als Abenteuer zu verkaufen. Aber im Allgemeinen gilt: Nervöse Eltern übertragen ihre Gefühle unbewusst auf ihre Kinder.

«Bonbons oder Kaugummis vor der OP sind keine gute Idee.»
Florian Rossmanith, Oberarzt Anästhesie

Und wenn selbst die einfühlsamsten Eltern ihr Kind nicht beruhigen können – was hilft sehr ängstlichen Kindern?

Neben einer einfühlsamen Begleitperson, meist die Mutter oder der Vater, hat auch eine ruhige und entspannte Arbeitsatmosphäre in der Narkosevorbereitung einen positiven Einfluss. Wir versuchen daher, wenn immer möglich, eine Begleitperson mit in den OP zu nehmen. Bei Notfalleingriffen ist das allerdings grundsätzlich nicht erlaubt. Zudem hilft eine Prämedikation mit Medikamenten, die entspannen, die Angst lösen und den Schlaf anstossen. Diese erhält das Kind etwa 30 Minuten vor der Operation.

Dürfen die Eltern dableiben, bis das Kind eingeschlafen ist?

Ja. Allerdings nur bei Kindern, die älter als ein Jahr sind. Sobald das Kind eingeschlafen ist, müssen die Eltern die Narkosevorbereitung verlassen. Bei jüngeren Kindern beginnen wir die Narkose meist direkt im Operationssaal. Daher ist eine Begleitung nicht möglich und in der Regel auch nicht nötig.

Und wenn das Kind nach der OP wieder aufwacht?

Dann ist natürlich ein Elternteil an seinem Bett. Denn sobald das Kind im Aufwachraum angekommen ist, werden die Eltern verständigt. Und auch Bobby Bär freut sich mit dem Kind, dass es so tapfer war und alles gut gegangen ist.

Kinderanästhesie am KSB

Ist bei Ihrem Kind eine Operation geplant? Haben Sie Angst vor der Narkose und möglichen Nebenwirkungen? Sprechen Sie in unserer Kinderanästhesie-Sprechstunde darüber. Unsere Kinderanästhesisten nehmen sich Zeit für Ihr Kind und Sie und beantworten gern all Ihre Fragen zur Narkose.

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