Person liegt im Bett

Palliative Care: Letzte Wünsche erfüllen

Manche Menschen realisieren erst auf dem Sterbebett, welche Dinge wirklich wichtig sind. Das Team Palliative Care des KSB betreut die Patienten über das rein Medizinische hinaus und versucht, ihre letzten Wünsche zu erfüllen.

Wieder gesund werden: Dieser Wunsch ist für Patientinnen und Patienten im Spital zentral. In den allermeisten Fällen können ihn die KSB-Mitarbeitenden auch erfüllen. Das ist auf der Station 112 der Palliative Care anders: Wer hierhin verlegt wird, leidet in der Regel an lebensbedrohlichen, unheilbaren oder chronisch fortschreitenden Krankheiten. «Den Wunsch nach Heilung können wir hier leider nicht mehr erfüllen», sagt Priska Bützberger, Co-Leiterin Palliative Care am KSB. Das Ziel des Palliative-Care-Teams ist denn auch ein anderes: «Wir betreuen unsere Patienten nach einem umfassenden Ansatz. Wir versuchen, ihre Schmerzen zu lindern und die ihnen verbleibende Zeit so erträglich wie möglich zu gestalten.»

Die Lebensqualität zählt

Annett Ehrentraut, auch sie Co-Leiterin Palliative Care, fasst es mit einem Wort zusammen: «Lebensqualität». Das aber bedeutet für jede und jeden etwas anderes. Manchmal geht es darum, Symptome wie Übelkeit und Erbrechen zu bekämpfen. Manchmal geht es um Hilfe bei der Entscheidungsfindung der Patienten: Welche Behandlung soll noch begonnen werden? Wann soll sie abgebrochen werden? Das Team der Palliative Care kann für die Betreuung der Patienten auf einen grossen Kreis an Spezialisten zählen. Physiotherapeutinnen gehören ebenso dazu wie Psychologen, Logopädinnen, Ergotherapeuten, Musiktherapeutinnen oder Seelsorger.

Viele Probleme und Sorgen der Patienten drehen sich aber um ganz andere Dinge: Kann ich Angehörige, zu denen ich keinen Kontakt mehr hatte, nochmals sehen? Wer kümmert sich in Zukunft um meine Kinder? Wie kann ich meine finanziellen Probleme lösen? «Wir versuchen, die Patienten da abzuholen, wo sie im Moment stehen», formuliert es Pflegeexpertin Helga Horstmann. «Dabei hilft es, dass wir von verschiedenen Seiten her mit den Patienten in Kontakt treten können. Manche besprechen etwas lieber mit einem Arzt, andere fühlen sich freier im Gespräch mit jemandem vom Pflegeteam.» Oft sind Patienten und Angehörige schon sehr erleichtert, wenn ihnen die KSB-Mitarbeitenden den Verlauf des letzten Lebensabschnitts aufzeigen können.

Die Wünsche der Sterbenden sind meist bescheiden

Der Gesprächsbedarf von Patienten auf der Station 112 ist meist sehr gross. «Uns geht es vor allem darum, ein Vertrauensverhältnis zu den Patienten aufzubauen, damit sie uns auch sagen können, was sie wirklich bewegt», sagt Priska Bützberger. Oft sind es dann letzte Wünsche, die die Patienten erfüllt haben möchten, bevor sie endgültig gehen müssen. Diese können gewichtig sein, etwa wenn es darum geht, den Partner in letzter Minute noch zu heiraten, um ihn abzusichern. In der Regel sind es aber verhältnismässig bescheidene Wünsche, die geäussert werden: das Haustier nochmals streicheln, die Familie zu einem letzten Fondue-Essen im Spital versammeln, sich von einem Saxofonisten ein bestimmtes Stück spielen lassen, nochmals für ein paar Stunden in die eigene Wohnung zurückkehren können, sich an einem schönen Blumenstrauss erfreuen oder sich ganz einfach nochmals die Sonne auf die Haut scheinen lassen.

«Es sind selten völlig exotische Wünsche, die unsere Patienten äussern», berichtet Annett Ehrentraut. «Oft sind es Grundbedürfnisse oder Dinge, die einen hohen emotionalen Wert haben.» Der Geschmack eines bestimmten Gerichts kann Erinnerungen an schöne Momente wecken, eine Aussprache zum Seelenfrieden der Patienten beitragen. «Wir versuchen, möglichst alle Wünsche zu erfüllen», sagt Annett Ehrentraut, «auch wenn es nicht immer leicht ist, etwas in kurzer Zeit zu organisieren.»

Der Blick auf das Leben verändert sich

Was zählt am Ende wirklich? Diese Frage stellen sich auch die KSB-Mitarbeitenden auf der Palliative-Care-Station selbst immer wieder. «Bei der Arbeit hier kann man viel über das Leben lernen», sagt Helga Horstmann. «Der Blick auf die Welt und die eigene Endlichkeit verändert sich.» Annett Ehrentraut ergänzt: «Unser Job ist aber auch dankbar, durch die meist sehr intensive und persönliche Beziehung zu den Patienten.» Wenn auf der Station 112 Wünsche in Erfüllung gehen, treten Schmerzen und die Angst vor dem Tod in den Hintergrund – manchmal werden sie sogar durch ein herzhaftes Lachen von Patienten und Betreuern ersetzt. Wenigstens für den Moment.

Buchcover

Welche Dinge bereuen Sterbende?

Die Australierin Bronnie Ware hat einige Jahre als Krankenschwester auf einer Abteilung für Palliative Care gearbeitet und Sterbende in den letzten Wochen ihres Lebens begleitet. Ihre Erfahrungen hat sie in einem Buch festgehalten: «5 Dinge, die Sterbende am meisten bereuen». In ihrem Werk macht sich die Autorin auf die Suche nach den wirklich wichtigen und sinnvollen Dingen im Leben. Dabei spielen auch unerfüllte oder nie geäusserte Wünsche eine wichtige Rolle.

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