Jogger dehnt den vorderen Oberschenkel

Schleimbeutelentzündung der Hüfte: Cortison spritzen oder dehnen?

Sind die Seitenbänder des Oberschenkels verkürzt, führt das häufig zu einer Schleimbeutelenzündung der Hüfte. Da hilft Cortison – oder etwa doch nicht? Orthopäde Tobias Bühler erklärt, was dafür spricht und warum geeignete Übungen mehr bringen.

Oft beginnt es mit einem Schnappen beim Beugen und Strecken des Beins. Dann kommen diffuse Schmerzen in der Hüfte oder Leiste hinzu. «Eine Schleimbeutelentzündung der Hüfte beginnt schleichend», sagt Tobias Bühler, Leitender Arzt Orthopädie am KSB. Deshalb wird sie oft erst entdeckt, wenn sie weit fortgeschritten ist.

Grund für die Beschwerden ist ein verkürztes Seitenband (Tractus iliotibialis) auf der Aussenseite des Oberschenkels. Dadurch erhöht sich der Druck auf den Schleimbeutel der Hüfte. Er entzündet sich und kann seine Funktion nicht mehr erfüllen: Im gesunden Zustand verhindert er, dass Muskeln und Sehnen zu stark an den Hüftknochen reiben.

Hüfte oder Leiste? Bursitis trochanterica oder iliopectinea?

Die Entzündung des Schleimbeutels unter dem Seitenband des Oberschenkels ist weit verbreitet. In der Fachsprache nennt sich das Leiden Bursitis trochanterica. Rund um den Hüftknochen gibt es aber weitere Schleimbeutel. Einer davon ist der Schleimbeutel unter dem Hüftbeugermuskel. Ist er entzündet, schmerzen die Leisten. Fachleute sprechen dann von einer Bursitis iliopectinea. Sie entsteht oft durch Überbelastung und sollte ärztlich abgeklärt werden.

Hüftschmerzen beim Liegen und Belasten

Die Entzündung tut irgendwann weh, wenn auch nicht ständig. «Die Schmerzen treten vor allem beim Liegen auf der Seite auf und bei längeren körperlichen Belastungen», sagt Tobias Bühler. Weil die Hüfte nur zeitweise schmerzt, dauert es oft, bis die Patienten in Bühlers Sprechstunde erscheinen. Dann stellt Bühler manchmal fest, dass die Region über dem Hüftknochen warm und geschwollen ist. Ist von aussen nichts sichtbar, prüft der Arzt über Druck- und Bewegungstests, ob die Schmerzen vom Schleimbeutel ausgehen.

Cortison unterstützt die Physiotherapie

Die Schleimbeutelentzündung der Hüfte lässt sich gut behandeln, selbst wenn sie schon fortgeschritten ist. Dann kommt man um Cortison jedoch häufig nicht herum. Cortison ist aber wegen seiner Nebenwirkungen verschrien. «Der schlechte Ruf des Cortisons rührt von den Tabletten her. Das Problem dabei ist, dass sich das Cortison im ganzen Körper verteilt», erklärt der Orthopäde. Nehmen Patienten die Tabletten über längere Zeit, sind Nebenwirkungen die Folge. Dazu zählen etwa ein erhöhter Blutdruck und Blutzucker, Gewichtszunahme und Anfälligkeit für Infekte.

Bei der Schleimbeutelentzündung der Hüfte setzt Tobias Bühler jedoch nie Tabletten ein. Er spritzt das Cortison lokal, direkt in den Schleimbeutel. Zum einen wirkt das Medikament so genau dort, wo es gespritzt wird. Zudem genügt so schon eine tiefe Dosis.

Doch Cortison ist auch in gespritzter Form kein Allheilmittel. «Die Spritze ist nicht die Lösung. Sie verbessert lediglich die Therapieaussichten der Physiotherapie», sagt Tobias Bühler. Deshalb setzt er Cortison auch erst ein, wenn die Physio nicht den gewünschten Erfolg bringt. «Mit dem Cortison verschwinden die Schmerzen rasch, und die Chancen sind besser, dass die Physiotherapie hilft.»

Schleimbeutelentzündung der Hüfte:pro und kontra Cortison

Schnelle Hilfe oder übles Gift? In unserer Übersicht sehen Sie, was für und was gegen Cortisonspritzen spricht:

Pro:

  • Die Spritzen wirken lokal; dadurch gibt es weniger Nebenwirkungen.
  • Die Dosis ist bei Spritzen tiefer als bei Tabletten.
  • Spritzen kann man nach sechs Wochen auffrischen.
  • Cortison nimmt die Schmerzen rasch. Das verbessert die Ausgangslage für die Physiotherapie.

Kontra:

  • Die Wirkung der Spritzen lässt nach einigen Wiederholungen nach.
  • Cortisonspritzen schwächen die Sehne: Das Risiko eines Sehnenrisses steigt.
  • Cortison kann den Blutdruck und den Blutzuckerspiegel verändern. Dies ist insbesondere für Diabetiker riskant.

Dehnen, Yoga machen, spazieren

Wenn Cortison nicht (mehr) hilft, droht dann die Operation? «Nur bei grösstem Leidensdruck», sagt Tobias Bühler. Anders als früher entfernt man Schleimbeutel heute nicht mehr. Dadurch entstehe eine Narbe an der entzündeten Stelle, und das eigentliche Problem bleibe ungelöst, meint der Arzt: «Das verkürzte Band drückt nach wie vor auf das Hüftgelenk.»

Wirkung ohne Nebenwirkung zeigt bei einer Schleimbeutelentzündung nur eine gezielte Physiotherapie. Das braucht Geduld und Disziplin. Je früher Sie Ihre Hüfte trainieren, desto besser. Nebst vielseitigem, sanftem Training wie Yoga oder Spaziergängen rät Tobias Bühler zu regelmässigem Dehnen.

Schleimbeutelentzündung der Hüfte: Die besten Übungen

Fangen Sie am besten gleich damit an. Wie Sie Ihre Hüfte dehnen und kräftigen, zeigt KSB-Physiotherapeutin Maja Milani. Wichtig: Bevor Sie loslegen, hier einige Hinweise für Ihre Gesundheit:

  • Wiederholen Sie die Bewegung, bis der Muskel ermüdet.
  • Machen Sie bei jeder Kräftigungsübung drei Sätze, beidseits und mit kurzen Pausen.
  • Halten Sie die Dehnübungen mindestens 30 Sekunden und wiederholen Sie sie mehrmals. Gegen Ende der Dehnzeit sollte es in der betreffenden Region leicht ziehen.
  • Hören Sie auf Ihren Körper. Wenn Sie eine akute Entzündung haben, dürfen Sie beim Trainieren ein leichtes Ziehen spüren (auf einer Skala von 0 bis 10 max. Stufe 3). Dieses sollte sofort abklingen, wenn Sie mit der Übung aufhören. Wenn Sie gesund sind, ist ein leichter muskulärer Schmerz okay. Er sollte nach höchstens 24 Stunden verschwinden.

Hüftorthopädie am KSB

Spüren Sie Schmerzen in der Hüfte oder Leiste? In unserer Klinik für Orthopädie und Traumatologie klären wir Ihre Beschwerden ab und beraten Sie zur geeigneten Therapie.

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