Bild von drei Babies auf einer Decke

Drillinge an Neujahr: So verlief die Schwangerschaft

Ein drittes Kind – ja oder nein? Die Familie Aliaj bekam ihr «drittes Kind» gleich in dreifacher Ausführung. Lesen Sie, wie Ardiana Aliaj ihre Schwangerschaft mit Drillingen erlebt hat und was Sie aus medizinischer Sicht über Mehrlingsschwangerschaften wissen müssen.

Extreme Übelkeit. Und so ein vages Gefühl, dass etwas anders sei als bei der vorherigen «Einlingsschwangerschaft» mit ihrem mittlerweile 5-jährigen Sohn. Vielleicht werden es ja Zwillinge, dachte Ardiana Aliaj. Im Stillen hoffte sie sogar darauf. Zum einen, weil sie bereits in ihrer ersten Schwangerschaft mit ihrem 7-jährigen Sohn Zwillinge erwartete, jedoch einen Zwilling zu Beginn des 6. Monats verlor und «ich mir oft vorgestellt habe, wie es mit zwei Babys gewesen wäre». Aber auch praktische Gründe liessen sie auf doppeltes Glück hoffen: «Ich grübelte, ob der Altersabstand des dritten Kindes zu den älteren Brüdern vielleicht zu gross sei, sodass die Kinder später gar nicht mehr zusammen spielen würden und es mit Zwillingen vielleicht besser wäre.»

«Ich sehe da noch etwas»

In der 7. Schwangerschaftswoche suchte die 31-Jährige ihren Frauenarzt auf. Und konnte es kaum fassen, als dieser ihr bei der Ultraschalluntersuchung mitteilte, dass sie tatsächlich zwei Babys erwartete. «Es fühlte sich unglaublich an», erinnert sich Ardiana. «Ich hatte mir so sehr Zwillinge gewünscht, und dann wurde mir dieser Traum erfüllt.» Doch ihre Euphorie wurde von einer Bemerkung des Frauenarztes jäh unterbrochen. Die Worte «Moment, ich sehe da noch etwas» liessen die Zeit während des konzentrierten Schauens des Arztes schier unerträglich für sie werden. Zu gross war die Angst, dass der Frauenarzt eine Auffälligkeit entdecken würde. Als er ihr jedoch sagte, er sehe da noch ein drittes Baby, wurde sie von ihren Gefühlen übermannt: Glück einerseits, Erstaunen über den eigenen Körper andererseits. «Ich fühlte mich wie in einem Film, es war alles andere als real», erzählt Ardiana. Und neben der Freude tauchten neue Fragen auf: Können wir es finanziell überhaupt stemmen? Können wir den älteren Geschwistern noch gerecht werden?

Mehrlinge: Eineiig oder zweieiig?

Eineiige Mehrlinge sind genetisch identisch, da sie aus derselben befruchteten Eizelle stammen. Föten, die sich eine Plazenta teilen, sind in der Regel eineiig. Die Kinder sehen also auch gleich aus und haben die gleiche Blutgruppe.

Zweieiige Zwillinge oder Drillinge entstehen aus zwei verschiedenen Eizellen, die von verschiedenen Spermien befruchtet wurden. Jeder Fötus hat entsprechend seine eigene Plazenta und seine eigene Fruchthöhle. Wenn bei Mehrlingen jedes Baby seine eigene Plazenta hat, kommt es in der Regel zu weniger Schwierigkeiten. Die Kinder können sich hinsichtlich des Aussehens, Geschlechts und der Blutgruppe unterscheiden.

Bei Ardiana Aliaj sind zwei Kinder eineiig und eins voraussichtlich zweieiig. Drei eineiige Drillinge kommen extrem selten vor. Da allerdings ihre drei Babys die gleiche Blutgruppe und das gleiche Geschlecht haben, wäre es auch durchaus möglich, dass sie eineiig sind. Gewissheit gibt – sofern sie später auch weiterhin gleich aussehen – am Ende nur ein Gentest.

Zunahme von Drillingen

Um externe Unterstützung zu bekommen, beschloss das Paar, von St. Gallen zurück in die Nähe von Ardianas Familie nach Bad Zurzach zu ziehen. Und so bot es sich an, dass Ardiana im zweiten Schwangerschaftsdrittel für ihre Schwangerschaftskontrollen und die bevorstehende Geburt ans Kantonsspital Baden wechselte. 25 bis 30 Mehrlingsgeburten betreuen die Ärzte, Hebammen und Pflegenden am KSB pro Jahr, hauptsächlich Zwillingsgeburten, vereinzelt aber auch Drillinge. «Gemäss Statistik bekommen nur 90 von 100 000 Frauen Drillinge», sagt Prof. Leonhard Schäffer, Leiter der Geburtsklinik am KSB. «Doch wenn man 40 Jahre zurückschaut, gibt es heute dreimal so viele Drillingsgeburten wie damals.» Die Gründe liegen vor allem in reproduktionsmedizinischen Massnahmen wie Stimulationsbehandlungen oder Embryotransfers. Anders verhält es sich bei Familie Aliaj. Bei ihnen sind Mehrlingsschwangerschaften genetisch bedingt – sie treten familiär gehäuft auf. Ardiana selbst hat ebenfalls Brüder, die Zwillinge sind.

Vorgeburtliche Lungenreifung durch Kortison

«Da Mehrlingsschwangerschaften Risikoschwangerschaften sind, werden sie nach der 24. Schwangerschaftswoche engmaschiger betreut als Einlingsschwangerschaften», führt Leonhard Schäffer weiter aus. Denn Zwillinge oder Drillinge zu bekommen, birgt ein höheres Risiko für Komplikationen, wie zum Beispiel Präeklampsie (Schwangerschaftsvergiftung) und Frühgeburten. «Während eine Einlingsschwangerschaft rechnerisch 40 Wochen dauert, beträgt die Schwangerschaftsdauer im Schnitt bei Zwillingen 35 Wochen und bei Drillingen sogar nur 32 Wochen», erläutert der Chefarzt.

Auch bei Ardiana rechneten die Ärzte am KSB mit einer Frühgeburt, da sich ihr Muttermund in der 28. Schwangerschaftswoche bereits deutlich verkürzt hatte. Deshalb führten sie bei ihr eine sogenannte Lungenreifeinduktion durch, eine der wirksamsten Massnahmen bei drohender Frühgeburt. Hierbei bekommt die werdende Mutter zwei Kortisondosen intramuskulär gespritzt, um die Lungenreifung der Babys zu aktivieren. «Dies senkt nach der Geburt das Risiko für das Auftreten eines Atemnotsymptoms sowie für Hirnblutungen und reduziert die Sterblichkeit um die Hälfte.»

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Ardianas Schwangerschaft verlief bis zum Einsetzen der Wehen in der 33. Schwangerschaftswoche ansonsten glücklicherweise komplikationslos. Sie war bis zur Geburt aktiv und konnte sich selbst kaum vorstellen, dass in ihrem Bauch gleich drei Babys heranwachsen. «Ich hatte einen riesigen Bauch erwartet und gedacht, dass eine Drillingsschwangerschaft viel beschwerlicher sei. Aber mein Bauch war nicht grösser als bei den vorherigen Schwangerschaften, und ich empfand die Schwangerschaft auch nicht als belastender.»

Geburt an Neujahr

Selbst als am 31. Dezember die Wehen einsetzten, fühlte sich die gebürtige Zurzacherin fit und wollte unbedingt die Silvesternacht zu Hause mit ihrer Familie verbringen. «Die Oberärztin überzeugte mich am Ende jedoch, die Nacht im Spital zu verbringen, da es sich um eine Hochrisikoschwangerschaft handelte und wir eine halbe Stunde Weg bis ins KSB haben.» Und so verbrachte Ardiana Silvester erstmals allein – aber guter Hoffnung mit drei schlagenden Herzen in ihrem Bauch. Am nächsten Morgen ging es dann plötzlich ganz schnell.

Wie Ardiana die Geburt und die ersten Wochen mit den Drillingen erlebt hat, lesen Sie im Teil 2, der in den nächsten Tagen folgt. Im Video erfahren Sie bereits jetzt, wie es den Drillingen und der Mutter mittlerweile geht.

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