Kinderschuhe mit einer Geburtstagskarte

Geburt am Wunschdatum: Verrückt oder verständlich?

Geboren am 2.2.2020, 20.2.2020 oder am 29.02.: Der Februar bietet einige einprägsame Geburtsdaten. Leonhard Schäffer, Chefarzt der KSB-Geburtsklinik, erklärt, welche Datenwünsche er erfüllt – und wo die Grenzen der Planbarkeit liegen.

Geboren am 20.2.2020 – von diesem Geburtsdatum träumen sicherlich einige Eltern, die im Februar ein Kind erwarten.

Leonhard Schäffer: Das mag das Tüpfelchen auf dem i sein. Doch da das Baby im Bauch keinen Kalender hat, wird es dann auf die Welt kommen, wenn es dazu bereit ist. Selbst wenn der errechnete Geburtstermin der 20.2. sein sollte: Ein Grossteil der Kinder wird in den Tagen davor oder danach zur Welt kommen. Und ich bin überzeugt, dass die Eltern, die ihr Kind am 19. oder 21. Februar in den Armen halten, am Ende genauso glücklich sein werden.

Aber wenn der errechnete Termin beispielsweise der 27.2. wäre, könnten Sie das Baby, wie beim geplanten Kaiserschnitt üblich, doch etwas früher, sprich in diesem Fall am 20.2., holen?

Nur damit das Kind eine Schnapszahl in der Geburtsurkunde stehen hat? Ich glaube nicht, dass sich Eltern wegen eines gewünschten Geburtsdatums für einen Kaiserschnitt entscheiden würden. Das ist immerhin ein operativer Eingriff.

Umgekehrt gefragt: Einen Geburtstag am 29.2., den man nur alle vier Jahre feiern kann, versuchen Eltern sicherlich zu vermeiden?

Im letzten Schaltjahr haben am KSB drei Mütter geboren, also tatsächlich etwas unter dem Durchschnitt. Natürlich würde man einen geplanten Kaiserschnitt eher auf den 28. Februar oder 1. März legen. Am Ende steht jedoch einzig die Gesundheit von Mutter und Kind und nicht das Kalenderdatum im Vordergrund.

Also kamen die Babys am 29.2.2016 spontan auf die Welt?

Nach einem vorzeitigen Blasensprung wurden Zwillinge per Kaiserschnitt entbunden. Bei einem anderen Baby verschlechterten sich während der Geburt die Herztöne, sodass auch hier ein Kaiserschnitt nötig war. Das vierte Baby wurde natürlich geboren.

Neben dem perfekten Geburtsdatum: Aus welchen anderen Gründen wünschen sich Frauen einen medizinisch nicht notwendigen Kaiserschnitt?

Manche Frauen können sich einfach nicht vorstellen, eine normale Geburt zu haben. Sie fürchten sich vor Kontrollverlust, andere vor Dammverletzungen oder einer Schädigung des Beckenbodens. Manche Frauen haben schlicht grosse Angst vor Geburtsschmerzen. Hier gilt es jeweils, die Sorgen und Wünsche der Frauen herauszuarbeiten. Dazu gehört es, sie kompetent über Vor- und Nachteile der unterschiedlichen Geburtswege zu beraten. Letztendlich sollte die Mutter zuversichtlich mit dem für ihre Bedürfnisse besten Weg durch die Geburt gehen. Manchmal gibt es Paare, welche die Geburt vorziehen möchten, weil der Partner am errechneten Termin nicht dabei sein kann.

Warum reichen die Väter nicht einfach Ferien ein?

Das machen natürlich die meisten auch. Doch es gibt immer wieder Ausnahmen, bei denen dies nicht geht. Als ich Assistenzarzt in einem anderen Spital war, hatten wir eine Patientin, deren Mann Berufstaucher war. Dieser sollte am Geburtstermin für zwei Wochen in die Druckkammer gehen, weil ein wichtiger Tauchgang bevorstand. Damit der werdende Vater im wahrsten Sinne des Wortes am Geburtstermin nicht abtauchen musste, kamen wir dem Wunsch des Paares entgegen. Wir legten den Geburtstermin eine Woche nach vorn. So konnte der Mann seine Frau bei der Geburt begleiten und sein Baby begrüssen.

«In der Schweiz geht der Trend in die Richtung einer möglichst natürlichen Entbindung.»
Leonhard Schäffer

Eine Frau mit Wunschkaiserschnitt muss sich bei Ihnen also nicht rechtfertigen?  

Frauen, die sich nach einer Beratung und Aufklärung für einen Kaiserschnitt entscheiden, sind mündige Patientinnen. Und wir behandeln sie auch als solche. Die Frauen sollten bestimmen dürfen, wie sie ihr Kind zur Welt bringen möchten. Das ist Patientenautonomie, die wir respektieren.

Das sieht das Umfeld der werdenden Mutter häufig anders …

In der Schweiz ja, in anderen Ländern, wie zum Beispiel Brasilien, verläuft es umgekehrt. Während hierzulande die Kaiserschnittrate etwa 32 Prozent beträgt, liegt sie dort bei über 55, in Privatkliniken sogar bei über 80 Prozent. In einigen Privatkliniken ist es derzeit sogar angesagt, dass sich die Mütter vor einem Kaiserschnitt schminken und stylen lassen. Sie wollen gut aussehen, denn ihre Familie kann durch ein Fenster direkt in den OP schauen. Oder sie beobachten via Facetime, wie der Arzt das Baby aus dem Bauch der Mutter heraushebt.

«Die bewusste Entscheidung für eine bestimmte Art der Geburt stärkt die Frau und trägt zum positiven Geburtserlebnis bei.»
Leonhard Schäffer

Die Geburt als geplantes Event. In der Schweiz undenkbar?  

Als Elternteil würde ich es vorziehen, diesen intimen Moment als Paar zu erleben. Zwar nimmt auch hierzulande das Fotografieren und Filmen im Gebärsaal zu. Manche Väter zücken das Smartphone schon vor dem ersten Schrei. Aber von brasilianischen Zuständen sind wir zum Glück weit entfernt. Hier geht der Trend eher in die entgegengesetzte Richtung: eine möglichst natürliche Entbindung. Seit dem Frühjahr 2019 bieten wir am KSB hebammengeleitete Geburten und seit dem Sommer auch Spitalgeburten mit einer Beleghebamme an. Und die Nachfrage danach steigt.

Die werdende Mutter hat die Qual der Wahl, wie sie ihr Kind zur Welt bringen möchte.

Wenn alles optimal läuft, ja, und das ist auch gut so. Denn gerade die bewusste Entscheidung für eine bestimmte Art der Geburt – sei es eine Geburt mit einer Beleghebamme, der Wunsch nach einer PDA oder einem Kaiserschnitt – stärkt die Frau und trägt zum positiven Geburtserlebnis bei. Am Ende ist es am wichtigsten, dass sich die Frau während der Geburt wohlfühlt. Denn dies wirkt sich auch auf ihre spätere Beziehung zu ihrem Kind aus.

Geburtshilfe am KSB

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Telefon +41 56 486 35 81
gebaerabteilung@ksb.ch






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