Karim Eid, Chefarzt Orthopädie

Schmerzhaft und tückisch: So fies kann eine Kalkschulter sein

Etwa fünf Prozent der Bevölkerung haben Kalkablagerungen in den Schultern. Solange keine Schmerzen auftreten, ist das kein Problem. Was, wenn doch? Karim Eid, Chefarzt Orthopädie am KSB, erklärt die Ursachen einer Kalkschulter und welche Therapiearten es gibt.

«Unter Kalk stellen sich viele eine eher harte Masse vor», sagt Karim Eid, Chefarzt an der Klinik für Orthopädie und Traumatologie am Kantonsspital Baden. «Der Kalk in der Schulter hingegen ist vielmehr wie eine Paste. Es handelt sich dabei um eine Ablagerung von vielen kleinen Kristallen.» Kristalle, die sich oft im Sehnenansatz der Schulter sammeln. Dieses Phänomen ist weitverbreitet, allerdings bekommen nur wenige Menschen mit der Zeit ein Problem damit. Wie genau der Kalk entsteht, ist unklar. «Meistens tritt er 1,5 Zentimeter vom Ansatz der Supraspinatussehne am Oberarmknochen auf. Dort ist die Durchblutung schlecht, und der Körper versucht offenbar, diesen Bereich zu schützen, und bildet Kalk.» Betroffen sind meist Frauen und Männer zwischen vierzig und fünfzig Jahren, häufig gleich beidseitig.

Halb so schlimm oder brutal schmerzhaft

Die grosse Frage lautet: Wie kann es sein, dass Menschen trotz Kalk in den Schultern schmerzfrei leben, andere hingegen stark darunter leiden? «Aufschlagen, aufprallen ¬oder vielleicht auch eine ungünstige Bewegung: Es sind wohl kleine Traumen, die einem Ausbruch der Schmerzen vorausgehen», sagt Karim Eid. Dabei gelangt der Kalk in den Schleimbeutel, der sich dann entzündet. «Die Kalkkristalle bestehen aus vielen winzigen Nadeln, die geeignet sind, extrem schnell eine starke Entzündung auszulösen.» Die damit verbundenen akuten Schmerzen sind oft nur mit starken Schmerzmitteln auszuhalten.

Von spontaner Heilung …

Die gute Nachricht: «Der Kalk löst sich mit der Zeit von selbst auf», sagt Karim Eid. «Oft verschwindet er innerhalb weniger Monate nach den ersten Symptomen.» Könnte man also nichts machen und auf eine spontane Heilung der Kalkschulter setzen? «Sind die Schmerzen nicht allzu stark, könnte man einfach abwarten. Aber für viele Patienten ist eine derart konservative Behandlung nicht zumutbar. Schmerzmittel braucht es in fast jedem Fall.» Auch wenn die Beweglichkeit der Patienten grundsätzlich nicht eingeschränkt ist. Denn im Gegensatz zur Frozen Shoulder bleibt eine Kalkschulter nicht steif. Auch die Rotation der Schulter liegt noch drin, da das Problem bei den Schleimbeuteln im Schulterdach liegt.

… bis zur Operation

Eine Behandlungsmöglichkeit ist die Stosswellentherapie. Dabei werden die Kalkkristalle mittels Stosswelle zertrümmert. Karim Eid: «Allerdings überzeugt mich diese Methode nicht. Es liegen ja eben nicht Steine vor, sondern eine Art Paste. Ich gehe gar davon aus, dass die Stosswellentherapie die Entzündung noch verstärken kann, zumal der Kalk im Körper bleibt.» Der Orthopädie-Chefarzt empfiehlt eher das sogenannte Needling. «Dabei zieht man den Kalk mit einer Spritze aus der Schulter.» Bei einer Operation entfernt der Chirurg einen Teil des Schleimbeutels, da dieser vom Kalk häufig stark durchstäubt ist. Der Kalk wird mit einer Art Mini-Staubsauger durch einen Schlitz aus der Sehne gesaugt (siehe Video). «Eine OP empfehle ich wirklich nur, wenn die Schmerzen riesig sind. Denn wie erwähnt, meist reichen Schmerzmittel und Geduld, bis sich der Kalk von alleine auflöst.»

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Kalkschulter-OP geglückt, Schmerzen bleiben (noch)

Eine Operation sei eine kurze, unkomplizierte Sache, sagt Karim Eid. Aber: «Wer erwartet, dass er innerhalb weniger Tage schmerzfrei ist, wird oft enttäuscht. Im Allgemeinen dauert es etwa sechs Wochen, bis sich der Zustand deutlich verbessert.» Der chirurgische Eingriff erfordert keine spezielle Nachbehandlung. Die Patienten müssen sich schonen, auf Sport und Extrembewegungen verzichten. Schienen oder andere Massnahmen braucht es nicht. Allerdings: «Ohne Schmerzmittel geht es auch in den ersten Wochen nach der OP nicht», sagt Karim Eid. Im Gegensatz zur Spontanheilung hat die Operation den Vorteil, dass die Leidenszeit wohl einige Wochen kürzer ist.

KSB-Orthopädie: mehr Bewegungsfreiheit

Das Angebot der Klinik für Orthopädie und Traumatologie am Kantonsspital Baden umfasst Behandlungen und Therapien des gesamten Bewegungsapparates: von der Wirbelsäule über die Schultern, Ellenbogen, Arme bis zu den Beinen, Hüften und Knie. Ein Angebot also mit und auch für Hand und Fuss.

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