Füsse schauen aus dem Bett raus

Sex nach der Geburt: Die wichtigsten Fragen

Die Geburt des ersten eigenen Kindes ist für viele Paare ein ergreifender Moment. Danach ist kaum mehr etwas wie vorher – auch das Sexualleben verändert sich. Darüber spricht man aber nur hinter vorgehaltener Hand. Die KSB-Gynäkologen geben Antwort auf die häufigsten Fragen.

Die Geburt des eigenen Kindes ist ein wunderschönes Erlebnis. Ein faszinierender und ergreifender Moment. Und einer, der ganz viel Veränderung mit sich bringt: Frischgebackene Eltern bekommen oft nur wenig Schlaf, die volle Aufmerksamkeit gilt dem Baby. Auch das Sexualleben ist häufig nicht mehr so, wie es vor der Geburt war. Die Frau hat möglicherweise Angst, Geschlechtsverkehr könnte Schmerzen verursachen. Zudem beeinflussen Hormone ihre Gefühlswelt. Und der Mann muss vielleicht erst die prägenden Eindrücke aus dem Kreisssaal verarbeiten. Vielen Eltern geht das so, aber nur selten wird darüber gesprochen. Hier finden Sie das Wichtigste dazu im Überblick.

Sex nach der Geburt: die häufigsten Fragen

Wann darf man nach der Geburt wieder Geschlechtsverkehr haben?

Während etwa vier Wochen nach der Geburt kommt es zum Wochenfluss. Das ist eine Wundflüssigkeit von jener Stelle, an der die Plazenta anhaftete. Frischgebackene Eltern können aber bereits zwei bis drei Wochen nach der Geburt wieder Geschlechtsverkehr haben, vorausgesetzt: Der Damm ist verheilt, und die Mutter fühlt sich dafür bereit. Leonhard Schäffer, Chefarzt für Geburtshilfe am KSB, sagt: «Die meisten Mütter fühlen sich aber so kurz nach der Geburt noch nicht bereit für Sex. Dafür sollte der Partner Verständnis haben.»

Kann der Damm beim Geschlechtsverkehr erneut reissen?

Eine Dammverletzung ist nach etwa drei Wochen verheilt. Dann ist Geschlechtsverkehr ohne Risiko für eine erneute Verletzung möglich. Viele Frauen verspüren aber während der ersten Wochen nach der Geburt noch Schmerzen beim Geschlechtsverkehr. Das mindert möglicherweise die Lust.

Weshalb nimmt die Lust auf Sex ab?

Das kann unterschiedliche Gründe haben.
Bei frischgebackenen Müttern ist die Lust auf Geschlechtsverkehr in den ersten Wochen nach der Geburt häufig vermindert. Das kann an Hormonen liegen, die der Körper während der Stillzeit vermehrt ausschüttet. Es gibt aber auch ganz andere Gründe: Angst vor Schmerzen, Übermüdung, postnatale Depression oder aber das Gefühl, noch nicht attraktiv genug für den Partner zu sein. Es kann aber auch sein, dass die Frau mit ihrer neuen und intensiven Aufgabe als Mutter erfüllt ist und das Bedürfnis nach Sex erst nach einigen Wochen oder Monaten wieder aufkommt.
Männer müssen manchmal erst verarbeiten, was sie im Kreisssaal erlebt haben. Einige haben Angst, ihrer Partnerin Schmerzen zuzufügen. Meist schwinden diese Befürchtungen aber nach einiger Zeit.

Im Laufe des ersten Jahres nach der Geburt normalisieren sich Lust und Sexualleben bei den meisten Paaren wieder.

Trockene Scheide während der Stillzeit – ist das normal?

Ja. Geburt und insbesondere das Stillen verändern den Hormonhaushalt. Das führt bei vielen Frauen zu einer trockenen Scheide. Während des Geschlechtsverkehrs kann das Schmerzen verursachen. Gleitmittel können helfen, bis sich der Hormonhaushalt eingependelt hat und der Körper wieder mehr natürliches Sekret produziert.

Weshalb tropft beim Geschlechtsverkehr Milch aus den Brüsten?

Beim Orgasmus schüttet der Körper das Hormon Oxytocin aus, das den Milchspende-Reflex steuert. Deshalb kann Milch aus den Brustwarzen tropfen oder sogar spritzen. Das kann aber auch bei Frauen passieren, die nicht stillen.

Was ist die richtige Verhütung während der Stillzeit?

Es ist ein Mythos, dass Frauen während der Stillzeit nicht schwanger werden können. Das Hormon Prolaktin unterdrückt zwar meist die Reifung einer neuen Eizelle. Es ist aber trotzdem nicht ausgeschlossen, dass es zu einem Eisprung kommt. Deshalb sollten Eltern verhüten, wenn sie derzeit eine erneute Schwangerschaft vermeiden möchten.

Kondom: Die neue Mutterrolle beansprucht die Frau – körperlich und psychisch. Deshalb sind viele Frauen froh, wenn ihr Partner sich um die Verhütung kümmert. Kondome sind eine gute Methode und können zudem das Infektionsrisiko verringern.

Spirale (Hormon und Kupfer): Eine Spirale kann etwa sechs Wochen nach der Geburt eingelegt werden. Nach einem Kaiserschnitt sollten Frauen etwa drei Monate warten. Hormon- und Kupferspiralen können auch während der Stillzeit verwendet werden.

Pille: Auf die klassische Pille sollten stillende Mütter verzichten, da das Baby die Hormone über die Muttermilch aufnehmen kann. Anders ist es mit der Minipille mit dem Hormon Gestagen, diese kann auch von stillenden Müttern verwendet werden.

Nähe ohne Geschlechtsverkehr

Bei manchen Paaren dauert es nach der Geburt etwas länger, bis sie wieder Lust auf Geschlechtsverkehr haben. Das ist nicht schlimm. Sie sollten sich dennoch Zeit für Zweisamkeit und Zärtlichkeit nehmen. So können sie sich langsam wieder annähern.

Eltern mit einem Baby

Ob werdende oder frischgebackene Eltern, bei Fragen zu Ernährung, Stillen oder Sexualität: Die Ärzte und Hebammen des KSB beraten Sie gerne.

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